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Peter Intelmann Abseits: Wer ist Klopp und wenn ja, wie viele?
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12:51 26.10.2012
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Lübeck

Das war ein klarer Satz, schnörkellos in der Aussage, knapp in der Form. Ein Satz wie eine rechte Gerade, und man wäre nicht erstaunt gewesen, hätte Jürgen Klopp am Steuer gesessen.

Jürgen Klopp ist Trainer von Borussia Dortmund, und er lebt seinen Wahnsinn offen. Manche Menschen verwandeln sich in Werwölfe, wenn der Vollmond scheint. Jürgen Klopp verwandelt sich in irgendetwas anderes, wenn das Spiel angepfiffen wird, und es ist nicht weniger bedrohlich.

Dienstag beim Spiel gegen Frankfurt hat er so dicht vor dem vierten Unparteiischen gestanden, dass er fast schon wieder hinter ihm stand. Er hatte ein Foul gesehen an Robert Lewandowski, der Schiedsrichter nicht, und dann hat er dem Mann an der Seitenlinie, Guido Kleve, gesagt, was er davon hält. Es war nicht viel, was er davon hielt. Es war im Grunde noch weniger als nichts, und er sagte es mit einem Gesicht, das man einem Menschen im 21. Jahrhundert kaum noch zugetraut hätte.

Er sah aus wie aus einem dieser peruanischen Horrorfilme, die es nicht in die Kinos schaffen. Die es noch nicht mal in die Videotheken schaffen und schließlich an schlecht beleuchteten Straßenecken in Bolivien verkauft werden. Hinter seinen Augen tanzten tausend irre Dämonen, der nach unten gezogene Mund wirkte, als hätte er mit seinen Zähnen in dunklen Nächten schon furchtbare Verheerungen angerichtet, und die Hörner müssen wohl unter der Baseballkappe verborgen gewesen sein. Das war kein Hass mehr, das war eine höhere Form von Welt- und Schiedsrichterverneinung. Es war nicht schön.

Er ist eben leicht reizbar, der Jürgen Klopp. In diesen 90 Minuten an der Seitenlinie befindet er sich im Ausnahmezustand. Da könnten Meteoriten auf die Erde stürzen oder die Russen kommen – solange die Meteoriten nicht auf Lewandowski fallen oder die Russen das Dortmunder Umschalten im Mittelfeld nicht stören, wäre es ihm egal. Er mag es nun mal gern erfolgreich, der Herr Klopp. Man kann im Interesse aller nur hoffen, dass Dortmund langsam Fuß fasst in der Bundesliga. Sonst war Guido Kleve erst der Anfang.

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