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Sabine Latzel Querpass, Rückpass
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21:10 20.01.2018

Wieder mal nicht aufgepasst. Wieder mal in der Tür geirrt. Trotzdem, es sind Leute da, eine ganze Menge sogar. Und sie gucken sich irgendwas an. Aber was? Sieht jedenfalls ziemlich fremd aus.

Könnte sich um kultische Rituale handeln. Oder um Theater. Etwas von Robert Wilson vielleicht, „Die ganz schön langsame Entdeckung der Langsamkeit in Schleichingen an der Warte“ oder so. Irgendwas jedenfalls, bei dem sich Figuren von rechts nach links bewegen und dann von links nach rechts und dann, nach all der Hektik und dem Juchei, erst mal eine Pause machen. Vielleicht spielen sie auch nur „30 unglaublich öde Schachpartien“ nach oder „50 Jahre Rückenschule in Zeitlupe“. Man ist jedenfalls irritiert.

Aber dann guckt man genauer hin und erkennt einen Ball. Man erkennt je elf Mann in ähnlicher Kleidung, zwei Tore, eine Reihe Eckfahnen und merkt: Fußball! Tatsächlich! Kaum zu glauben.

Es ist nämlich so, dass Fußball auch sehr langweilig sein kann. Also sehr, sehr langweilig. Meistens eigentlich. 90 Minuten Hochspannung hat man lange nicht gesehen und sollte man auch besser nicht erwarten. Die Wirklichkeit sieht anders aus, besteht im Wesentlichen aus Querpass, Rückpass, Innehalten und Neuaufbau.

Fußball ist oft nur ballschiebendes Gewerbe. So dramatisch wie Sondierungsgespräche morgens um halb vier draußen vorm Sondierungsbalkon, so packend wie eine Tüte tote Tuten. Die Zeit krümmt sich dann im Raum, vor Schmerzen wahrscheinlich, sie will nicht vergehen. Es zieht sich und dauert, es nervt. Und dann, wenn man Glück hat, kommt die 113. Minute, Schürrle flankt, Götze müsste ihn machen, Götze macht ihn, und dann ist alles wieder gut.

Nicht mit uns, haben sie sich daher beim DFB gesagt und beschlossen, dass künftig nur noch die Höhepunkte gespielt werden. Also quasi nur noch die 113. Minute. Den ganzen anderen faulen Zauber, das Geschiebe vorm Sechzehner, das Lamentieren und Diskutieren, die Nullsummenspiele im Mittelfeld, das fällt alles weg. Das spart Zeit und Nerven, und man ist zum Kaffeetrinken wieder zuhause. Hätte man eigentlich auch früher drauf kommen können. In der „Sporschau“ ist das schon seit Jahren so.

LN

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