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09:51 12.02.2018
 Joko (Winterscheidt) hat ab März eine eigene Late-Nite-Show.  Quelle: dpa

Gut, dieser angedeutete O.KO wurde nur deshalb zur Meldung, weil der, wie Welke flugs erklärte: versehentlich Verulkte mit Sprachfehler ein Mitglied der AfD war. Und die forderte im üblichen Stürmer-Jargon die unverzügliche „Entfernung“ des Moderators vom ZDF, was gewiss nur deshalb nicht „Ausmerzung“ oder „Vernichtung“ hieß, weil der zuständige AfD-Referent auf der Tatstatur ausgerutscht sein muss. Tatsache ist: Wenn es um sie selbst geht, haben Rechtspopulisten durchaus mal Probleme mit Menschenverachtung. KrOKOdilstränen der größten Fressfeinde von Anstand und Respekt – auch mal schön zu hören.

Ebenfalls mit „o“, aber ohne „ko“ war ein Sandkorn Nichtberichterstattung, das zum Gebirge eines Marketingscoops aufgeblasen wurde: In der Pause des Superbowl-Finales am vorvorigen Wochenende verkündete Netflix, das die mehrfach verschobene Fortsetzung der „Cloverfield“-Reihe mit dem Zusatz „Paradox“ nun doch nicht auf Leinwand laufe, sondern ab sofort beim Streamingdienst. Das war in der Tat ganz schön überraschend. Medial betrachtet. Darüber hinaus jedoch ist Teil 3 der Science-Fiction-Horror-Dystopie über außerirdische Invasoren, die Daniel Brühl in der Hauptrolle vom Weltall aus beobachtet, nach einhelliger Meinung aller Beobachtenden zwar optisch sehr ansehnlich, inhaltlich dagegen alter Wein in neuen Schläuchen, ergo: komplett irrelevant.

Es passt so gesehen aber ganz gut ins Ganze des Fernsehens, das voll im Schatten der Olympischen Spiele steht, weshalb viele Sender in Konkurrenz zum wintersportlichen Dauerbeschuss auf Wiederholungen setzen. Arte dagegen macht das einzig Richtige und kontert die verlogene Goldjagd am Dienstag um 20.15 Uhr mit einer sehr sehenswerten Doku über „Die Dopingspirale“ und haut im Anschluss auch noch ein wenig auf die Korruption der FIFA ein. Und ARZDF? Na ja, da hoffen wir mal, dass in der zweiten Wettkampfwoche zur sichtbaren Zeit kritisch übers teure Lizenzprodukt berichtet wird. Die ARD muss sich dank ihres Enthüllungsreporters Hajo Seppelt da ohnehin nichts vorwerfen. Und dass sie Mittwoch eine kreative Eigenproduktion gegen die Champions League im Zweiten ansetzt, spricht auch fürs Erste.

Kai Wessels düstere Vision „Aufbruch ins Ungewisse“ beleuchtet die Migrationsfrage aus umgedrehter Perspektive: Weil ihre Heimat in einer sehr aktuellen Zukunft von Rechtspopulisten regiert wird, flieht der politisch verfolgte Randgruppenanwalt Jan (Fabian Busch) mit seiner Familie aus Deutschland nach Afrika. Das wirkt zunächst recht hanebüchen, entfaltet aber rasch eine beklemmende Sogkraft. Und gleicht darin Staffel 2 der famosen Serie „Occupied“ (Donnerstag, 20.15 Uhr, Arte), die in vier Doppelfolgen Norwegens Besatzung durch russische Truppen beschreibt. So richtig weit entfernt davon ist 24 Stunden vorher an selber Stelle dann auch der Berlinale-Gewinner „Taxi Teheran“ von 2015 nicht. Regisseur Jafar Panahi fährt darin durch seine Stadt und spricht mit den Fahrgästen auf erstaunlich leichtfüßige Art übers Leben in einer Diktatur.

Im Anschluss (21.35 Uhr) befasst sich Deutschlands einflussreichster Arthausregisseur mit Massenwirkung, Dominik Graf, in „Offene Wunde deutscher Film“ mit der hiesigen Kino- und Fernsehgeschichte. Und wenn einer seiner Nachfolger irgendwann mal auf das Programm von heute zurückblickt, wird er vermutlich nicht allzu nett über „St. Josef am Berg“ reden, womit die ARD auf dem Degeto-Platz am Freitagabend in Reihe beweist, dass ihr eine dicke Schicht Heimatfilmsoße auf belangloser Drehbuchsülze immer noch lieber ist als Anspruch ohne Quotengarantie. Das gibt es dafür im Anschluss auf Arte, wo die Kollage „Montage of Heck“ experimentell das Leben von Kurt Cobain erzählt. Und Freitag auf Sky nimmt Showrunner Alan Ball 17 Jahre nach seiner Seriensensation „Six Feet Under“ in „Here and Now“ wieder mal eine amerikanische Familie unter die Lupe, diesmal im Hipster-Eldorado Portland.

Womit wir bei den „Wiederholungen der Woche“ sind. In Schwarzweiß immer wieder aufs Neue besonders: „Es geschah am hellichten Tag“ (Sonntag, 20.15 Uhr, Arte), 1958 noch mit zwei „l“ und einem Heinz Rühmann in so großer Form, dass man ihm die Vergangenheit als Göring-Liebling glatt verziehen hat. Politisch auf der richtigen Seite stand im selben Jahr „Flucht in Ketten“ (Donnerstag, 21 Uhr, 3sat) mit Sidney Poitier und Tony Curtis, einer der ersten Blockbuster zum Thema Rassismus. Weniger ideologisch, aber bei allem Ulk durchaus tiefgründig war Ben Stiller als Model im Kampf um größtmögliche Selbstverliebtheit („Zoolander“, Dienstag, 20.15 Uhr, Pro7Maxx) von 2001. Zehn Jahre jünger und gewohnt sozialkritisch: der „Tatort“-Tipp „Mord in der Ersten Liga“ mit Maria Furtwängler, die es am Dienstag um 22 Uhr (NDR) mit Homosexualität im Profifußball zu tun kriegt.

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