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TV-Vorschau "Bad Banks" ist so gut - für die Goldene Kamera ist die Serie zu anspruchsvoll
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16:44 26.02.2018
"Bad Banks" findet unser Autor schlicht grandios. "Für die Goldene Kamera viel zu anspruchsvoll, dürfte es dafür Grimme-Preise hageln", schreibt er. Quelle: ZDF/KNSK Werbeagentur GmbH/Ricardo Vaz Palma/Sammy Hart

Entschuldigung, sorry, pardon – was jetzt und hier folgt ist echt billig, wohlfeil, ähnlich blöde wie handelsübliche Privatfernsehcomedy, aber diesen Kalauer kann man sich schwer verkneifen: der neue CEO von ProSiebenSat.1 Media, die dessen Vorgänger Thomas Ebeling wegen seiner Publikumsbeschimpfung („fettleibig und arm“) gewiss mit wuchtiger Abfindung des Amtes enthoben hat, war zuvor CEO des Staubsauger-Herstellers Dyson, also zuständig für die Produktion von, hüstel, heißer Luft. Gut, so ein Kalauer ist fast so plump wie dieser elitäre Einkommensmillionär zynisch. Aber die Medienwelt von heute hat für plumpen Zynismus nun mal mehr übrig als für empathischen Journalismus.

Das lässt sich sogar bei Fernseh-Erneuerern wie Jan Böhmermann begutachten. Dessen „Neo Magazin Royale“ hat auf der Berlinale Schauspieler wie Jürgen Vogel oder Jan Josef Liefers nach ihrer Meinung zur #MeToo-Debatte befragt. Zur Antwort gab es allerdings nur debiles Geblubber, das beide als Salon-Sexisten der lächerlichsten Art entlarvt hat. Noch viel eindrücklicher zeigt sich die gegenwärtige Stimmung aber wie so oft bei der unverbesserlichenBild“. Die nämlich hat gefälschte Mails des Satiremagazins „Titanic“, in denen es um Kontakte des Juso-Chefs zu russischen Netz-Trollen geht, nicht nur blindlings geglaubt, sondern aufs Titelblatt gehoben.

Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt räumt zwar ein, „die Gewichtung als Schlagzeile sei im Nachhinein falsch“. Vorzuwerfen habe er sich aber nichts. Schon weil im Text dauernd von „angeblich“ die Rede ist und jeder Springer-Reporter qua Geburt eine Anwartschaft auf den Pulitzerpreis im Nabelschnurblut hat. Dass bei „Bildangeblich Journalisten arbeiten, die angeblich Recherchetechniken beherrschen, denen angeblich echt seriöse Berichterstattung entspringt, hat an dieser Stelle also ein paar Konjunktive zu viel, um es zu glauben.

Wenden wir uns also geistesverwandten Kollegen der „Bild“ zu. Die Moderatoren von Eurosport haben es nämlich geschafft, in 375.720 Stunden Olympia-Berichterstattung handgestoppte 0,000 Sekunden auf etwas anderes als Frohsinn zu verwenden, was sie im Ranking der Jubelperser sogar noch knapp vorm ZDF rangieren lässt. In der Paradedisziplin „kenntnisfreier Sportpatriotismus“ gewann Marco Schreyl dabei knapp vor Norbert König die Goldmedaille. Apropos Gold: Die Goldene Kamera 2018 gewann Donnerstag folgende – ach, eigentlich auch egal…

Zumindest angesichts der Tatsache, dass derselbe Sender, der diesen Blödsinn vom Glamour einer Grobcordhose übertragen hat, gleich mehrfach beweist, wie inspirierend fiktionales Fernsehen aus Deutschland sein kann. Im ZDF wirft Matti Geschonneck nach Magnus Vattrodts schlüssigem Drehbuch heute um 20.15 Uhr einen wunderbar verspielten Blick auf den klaustrophobischen Mikrokosmus Nachbarschaft. Dabei glänzt „Südstadt“ von Andrea Sawatzki über Matthias Matschke bis Anke Engelke durch ein Ensemble, dass man genauso im realen Mietshaus findet. Grandioser Film!

Gefolgt von einer, wenn nicht der grandiosen Serie des laufenden Jahres: „Bad Banks“. Sechs Teile lang seziert Christian Schwochow Donnerstag/Freitag ab 20.15 Uhr auf Arte und ab Samstag (21.45 Uhr) im ZDF ein entfesseltes Finanzsystem, das körperlich spürbar Angst vorm nächsten Crash entfacht. Für die Goldene Kamera viel zu anspruchsvoll, dürfte es dafür Grimme-Preise hageln.

Davon träumt wohl auch das Team des ZDFneo-Vierteilers „Nix Festes“, ab Dienstag (22.45 Uhr). Leider verhaspelt sich die Sitcom über vier Berliner Adoleszenz-Verweigerer um die 30 in Grimassenschneiderei, weshalb das Low-Budget-Projekt nur ganz nett ist, statt wirklich sehenswert. Der Ludwigshafener Impro-Tatort „Babbeldasch“ war dagegen zu miserabel, um freiwillig Lebenszeit auf seinen Nachfolger „Waldlust“ am Sonntag zu verschwenden. Ein bisschen davon verdient demgegenüber der ARD-Mittwochsfilm „Die Firma dankt“, in dem sich Thomas Heinze als einziger Überlebender einer Kündigungswelle plötzlich allein mit der Firmenspitze wiederfindet, die er in einer bizarren Kammerspielsituation von seiner Bedeutung fürs Unternehmen überzeugen soll.

In Ermangelung weiterer Neuausstrahlungen kommen wir aber jetzt gleich mal zu den „Wiederholungen der Woche“, zur Feier von Trumps anstehendem Verbot sämtlicher Handfeuerwaffen ausnahmslos aus den USA. Morgen um 22.05 Uhr beweist Jim Carrey im futuristischen Trennungsdrama „Vergiss mein nicht“ von 2003, dass er auch ohne Grimassen unterhaltsam ist. Die Vietnamkriegssatire „Tropic Thunder“ von 2008 beweist am Freitag (20.15 Uhr, Pro7) abermals, wie witzig Ben Stiller ist. Tags drauf beweist „Frost/Nixon“ aus dem gleichen Jahr, wie gut Politik entertainen kann. Und in schwarzweiß beweist John Wayne in John Fords Westernlegende „Bis zum letzten Mann“ (Sonntag, 00.05 Uhr, NDR) von 1948, dass alte Filme auch echt alt aussehen.

Mehr von unserem Kolumnisten Jan Freitag lesen Sie unter www.freitagsmedien.com

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