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09:41 13.11.2017
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Noch ist es nicht viel mehr als das Rauschen im Kabelwald, aber Disney, so wird kolportiert und so reagierten natürlich schnell auch die Börsenkurse, will ein paar der harmloseren Bestandteile von Rupert Murdochs reaktionärem Kriegsschiff Fox kaufen, darunter das progressive Feigenblatt „Die Simpsons“. Disney, das ist übrigens auch jene Blockbusterfabrik, die der „Los Angeles Times“ unlängst den Zutritt zu ihren Kino-Previews verweigerte, weil das renommierte Blatt kritisch übers Steuergebaren des Medienmegakonzerns beleuchtet hatte – was im zerklüfteten Medienzirkus USA eine erstaunliche Welle der Solidarität mit den Kollegen entfachen half.

Dabei hatte er, also besagter Zirkus, in der vorigen Woche eigentlich alle Hände voll zu tun. Theoretisch. Praktisch allerdings erhitzte das nächste Massaker im waffenstarrenden Amerika die Gemüter selbst daheim nur vergleichsweise kurz, während die Berichterstattung über das andere Großereignis dieser Tage auch global quasi gegen Null ging – zumindest gemessen an dessen grandioser Bedeutung: Der Klimagipfel in Bonn lief auf fast allen Kanälen mehr so nebenbei, als sei da ja irgendwie auch was los in der früheren Hauptstadt, wenn auch nichts von größerem Belang.

Darauf ein Gläschen eskapistischen Schampus bei der dramaturgisch belanglosesten Gala dieser ausklingenden Film- und Fernsehsaison: Donnerstag verleiht der Burda-Verlag bereits zum 69. Mal seinen „Bambi“ und die ARD ist wie immer live dabei, wenn mit Hugh Jackman ein globaler Actionheld Platz im Terminkalender gefunden hat, um das niedliche Gold-Reh als, bruha, „Bester Schauspieler International“ entgegenzunehmen.

Ein paar der wirklich relevanten Hollywood-Größen sind dagegen Dienstag um 23.40 Uhr in der ZDF-Doku „Stars gegen Trump“ zu sehen, die den Widerstand des kreativen Amerika gegen den Präsidenten skizziert. Dessen Amtsführung mag an rechtspopulistischem Irrsinn kaum zu überbieten sein; einem echten Faschisten allerdings widmet ZDFinfo am Dienstag gleich drei Stunden am Stück: „Die Wahrheit über Franco“ skizziert den spanischen Diktator, der sein Land bis 1975 fast 40 Jahre beherrscht hatte, ausgiebiger denn je. An die Macht hatte er sich 1936 auch mit Hilfe eines Gesinnungsgenossen im Deutschen Reich geputscht: Heinrich Himmler. Arte porträtiert den SS-Führer zeitgleich als „Der Anständige“.

Auf weniger drastische, nach demokratischem Maßstab aber ebenfalls unanständige Art und Weise agieren die ebenso gewissen- wie skrupellosen Interessenvertreter wirtschaftlicher Interessen im Umfeld des Bundestags. Deren Umtrieben widmet sich eine Miniserie auf ZDFneo ab Mittwoch, 21.45 Uhr. Rosalie Thomass ist „Die Lobbyistin“, ein MdB, das dank einer Intrige ihr Mandat abgibt und die Seiten wechselt. Das ist durchaus gut gemacht, aber auch arg bedeutungsschwer und viel dramatischer als Politik hierzulande gemacht wird. Andererseits ist es auch immer noch besser als wieder und wieder und wieder nur Mörder zu jagen.

Dennoch sollte man dem ZDF-Krimi „In Wahrheit“ ab Samstag im ZDF eine Chance geben – schon weil die wunderbare Christina Hecke darin von der notorischen Seriendarstellerin endlich zur Hauptfigur aufsteigt. Was es ansonsten noch gibt: Die bezaubernde, oft brüllend komische Tragikomödie „Blind & Hässlich“ um zwei Außenseiter auf dem schweren Weg zu etwas Geborgenheit, heute um 23.55 Uhr an gleicher Stelle. Und gut drei Stunden zuvor startet auf Vox die finale Staffel vom „Club der roten Bänder“ in fünf Doppelfolgen mit anschießender Doku, womit man ja nun wirklich nichts verkehrt machen kann.

Bevor wir aber zu den Wiederholungen der Woche kommen, noch zwei Netflix-Neuigkeiten am Freitag: „Mudbound“, die hochgelobte Eigenproduktion über eine schwarzweiße Freundschaft im rassistischen Süden der USA. Und „Marvel’s The Punisher“ läutet die nächste Superhelden-Serie am Bildschirm ein. Nichts für den ganz feinen Geschmack, aber ohne Frage quietschebunt. So wie ein Psychatrie-Schocker namens „Asylum“, der 1972 überm deutschen Untertitel „Irrgarten des Schreckens“ allerdings für etwas mehr Horror gesorgt haben dürfte als heute um 0.35 Uhr im HR.

Die schwarzweiße Wiederholung kommt diesmal aus der Sowjetunion: Ilja Traubergs Klassiker „Der blaue Express“ spielte 1929 die Ursprünge der russischen Revolution auf einer Zugfahrt von China im Kleinen durch (Mittwoch, 0.35 Uhr, Arte). Der „Tatort“-Tipp schließlich führt uns am selben Abend um 21 Uhr in die Heimat des Hessischen Rundfunks: „Das letzte Rennen“ begleitet die legendären Ermittler Dellwo/Sänger ins Geschehen des Frankfurter Marathons von 2006.

Von Jan Freitag

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