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TV-Vorschau Im Tonfall „Mimimi“
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15:50 28.10.2018
Mimimi. Das war auch der Tonfall, den Donald Trump kurz nach ein paar verlogenen Tweets der Anteilnahme für die Opfer mehrerer Rohrbombenbriefe auf seine politischen Gegner inklusive des liberalen Networks CNN anschlug. Quelle: AP
Lübeck

Ihren Hinweis darauf, dass deren Reporter auf Pegida-Demos bedrängt, gestoßen, ja attackiert wurden, mit dem lautmalerischen Begriff für „nun stellt euch mal nicht so an“ zu beantworten und dafür kein Widerwort der Veranstalter zu ernten, zeigte allerdings, wie sinnlos es scheint, mit Rechten über Grundrechte wie die Pressefreiheit zu reden.

Mimimi. Das war auch der Tonfall, den Donald Trump kurz nach ein paar verlogenen Tweets der Anteilnahme für die Opfer mehrerer Rohrbombenbriefe auf seine politischen Gegner inklusive des liberalen Networks CNN anschlug. Denn gleich danach schaltete der Populist im Präsidentenamt wieder auf Angriff und machte die Medien selbst verantwortlich. Eigentlich wäre „Mimimi“ zumindest intern aber auch die übliche Reaktion deutscher Sicherheitsbehörden auf den grotesken Mord am regimekritischen Zeitungskolumnisten Jamal Kashoggi gewesen. Schließlich verhindern selbst die schlimmsten Menschenrechtsverstöße des saudischen Regimes keinen noch so heiklen Waffenverkauf.

Es ist also, das zeigte sich vorige Woche wieder sehr anschaulich, insgesamt keine allzu gute Zeit für Anstand, Diskurse, Kompromissbereitschaft, wenn deren erklärter Feind die Zerstörung aller Werte des demokratischen Miteinanders zum Inhalt der politischen Kommunikation macht. Wir befinden uns da scheinbar auf dem Rückweg in eine Ära, die Netflix als eine von gleich fünf deutschen Serien fiktionalisieren will: In „Die Barbaren“ kämpft das Römische Reich 2019 vergeblich gegen Germanen im Norden. Darüber hinaus geht es beim Streamingdienst um junge Online-Drogendealer und eine Zukunftsdystopie, was jetzt auch alles nicht so hoffnungsfroh auf morgen blicken lässt.

Rosamunde Pilchers Geburtstag

Blicken wir also auf heute, wo das ZDF um 20.15 Uhr nach gestern sieht, genauer: ins Jahr 1971, als der berühmte „Stern“-Titel Frauen zeigte, die – damals noch illegal – abgetrieben haben. Nach dem Drehbuch dreier Autorinnen hat sich Regisseurin Isabel Kleefeld eine davon ausgedacht, die der Enge ihrer dörflichen Heimat Richtung Großstadt entflieht und von dort aus um Gleichberechtigung kämpft. Klingt nach öffentlich-rechtlicher Wohlfühlsülze, ist dank Anna Schudt in der Hauptrolle jedoch ein gelungenes Beispiel, wie man Emanzipation ohne Peinlichkeit nachstellen kann.

Nicht ganz so emanzipiert, aber vielfach peinlich ist dagegen ein Filmformat, das am Dienstag 25. Geburtstag im ZDF feiert: Rosamunde Pilcher. Jenseits aller Emanzipationsfragen, aber so peinlich, dass es längst lächerlich ist, agiert morgen zur besten Sendezeit mal wieder die ARD, indem sie das sportlich irrelevante Pokalspiel des FC Bayern gegen einen Drittligisten überträgt und damit weiter schön das Festgeldkonto der öffentlich-rechtlichen Cashcow mästet. Als Kontrastprogramm bietet sich tags zuvor die Nitro-Serie „FC Arbeitslos“ an, die sechsmal Profifußballer auf Jobsuche zeigen.

Thema Peinlichkeiten

Derweil macht sich RTL lächerlich, weil es am Mittwoch ausgerechnet den berlinernden Blondinenwitz Mario Barth „Die Wahrheit über Mann und Frau“ erkunden lässt, während die US-Serie „9-1-1“ zeitgleich auf Pro7 unfreiwillig komisch andeutet, dass amerikanische Sicherheitskräfte vorwiegend wunderschön, völlig selbstlos und wahnsinnig emotional sind. Und wo wir beim Thema Peinlichkeiten sind: Ab Donnerstag begibt sich das Zweite abermals ins Gebirgspanorama und macht unterm Titel „Team Alpin“ irgendwas mit lieb und nett und denkt euch doch mal was Neues aus.

Tut also, das was Jan Böhmermann tut, wenn er das Fernsehen immer wieder mal mit kreativem Entertainment bereichert. Und Donnerstag lässt es das ZDF sogar aus seiner Neo-Nische ins Hauptprogramm, wenn dort um 23 Uhr die Entblößungsshow „Prism is a Dancer“ startet, in der er die Facebook-Profile seiner Zuschauer hackt. Ansonsten noch empfehlenswert: Sylvester Groth und Sunnyi Melles als Wilhelm Zwo nebst Gattin im Historiendrama „Kaisersturz“ (Mittwoch, 20.15 Uhr, ZDF).

Wiederholung der Woche

Auch der Gruselthriller „Jenseits des Spiegels“ im NDR kann sich tags drauf um 22 Uhr sehen lassen. Und was Video-Portale freitags in Serie schicken, neigt ohnehin oft zur Güte. In „Homecoming“ etwa behandelt Julia Roberts als Psychotherapeutin Kriegsheimkehrer bei Amazon Prime, auf Sky geht „House of Cards“ dann ohne Kevin Spacey ins Finale.

Kolumnenfinale: Die „Wiederholungen der Woche“. Als „Tatort“ im Angebot: „Bomben für Ehrlicher“, (Montag, 20.15 Uhr, MDR), wo Peter Sodann 1996 ins Fadenkreuz eines Bankraubs geriet. Ebenfalls heute um 23.35 Uhr auf Arte, allerdings in Schwarzweiß: „Shooting Stars“, eine digital grundüberholte Dreiecksgeschichte von 1928. Etwas farbiger drei Stunden zuvor auf gleichem Kanal: Michael Douglas in einer seiner ersten Hauptrollen als Kameramann im Atomkatastrophen-Klassiker „Das China-Syndrom“ von 1979. Ein Jahr älter und geradezu quietschebunt am Samstag um 20.15 Uhr auf SuperRTL: John Travoltas zweiter Streich als tanzender Frauenheld im Kinomusical „Grease“.

Jan Freitag

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