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TV-Vorschau „Ride upon the Storm“ im Kulturkanalschicksal
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22:38 25.11.2018
Wenn Arte ab Donnerstag den dänischen Zehnteiler „Ride upon the Storm“ zeigt, dürfte die faszinierende Pastoren-Saga mit Lars Mikkelsen als Seelsorger, dessen zwei Söhne das Schicksal von Kain und Abel in die Neuzeit übertragen, leider kaum beachtet werden. Kulturkanalschicksal. Quelle: Tine Harden, DR
Lübeck/Hamburg

Es gibt Paare, die schienen auf immer und ewig miteinander verbunden zu sein. Das Erste und die Lindenstraße zum Beispiel, der FC Bayern und die Tabellenspitze oder der CDU-Vorsitz und Angela Merkel.

Doch weil selbst eherne Verbindungen mal rissig werden, kann selbst die spektakulärste Trennung der Vorwoche nicht überraschen: Anke Schäferkordt verlässt RTL. Nach 27 Jahren, davon 13 in leitender Funktion. Warum genau die Geschäftsführerin der deutschen Sendergruppe ihr Amt zum 1. Januar niederlegt und den Aufsichtsrat der Konzernmutter Bertelsmann verlässt, bleibt bislang offen. Zu vermuten ist allerdings, dass der RTL ein Wandel bevorsteht. Und zwar zum Guten.

Schäferkordt war schließlich bis zur Besinnungslosigkeit quoten- und werbehörig. Die Fortsetzung von „Deutschland 83“ in Kooperation mit Amazon Prime zeigte zwar, dass sie wirtschaftlich neue Wege geht. Die wässrige Informationssparte bekam unter der Frontfrau wieder Boden unter den Füßen. Und der Emmy Award für Anna Schudt als Gaby Köster im Biopic „Ein Schnupfen hätte auch gereicht“ bewies gerade in New York, dass der Rot- und Blaulichtsender abseits vom Blitzlichtgewitter durchaus helle Momente hat. Insgesamt aber dürfte das Niveau unterm bisherigen Vox-Chef Bernd Reichart steigen. Die Öffentlich-Rechtlichen sollten gewarnt sein…

ARD retuschierte Aufkleber aus dem Rostocker Polizeiruf für die Mediathek

Bis dato machen sie sich aber erstmal kleiner als nötig: Nachdem im Rostocker „Polizeiruf: Für Janina“ mehrfach der Slogan „FCK AFD“ zu sehen war, hat die ARD den zugehörigen Aufkleber in der Mediathek retuschiert. Illegale Partei(anti)werbung dröhnte es da von rechts, Verlust der Kunstfreiheit kommt von links – fertig ist ein Sturm im Wasserglas von herausragend lauer Wucht.

Da ist es fast relevanter, was die „Süddeutsche Zeitung“ meldet: Der Funk-YouTuber Fynn Kliemann hat sich mit dem Pro7-Berserker Olli Schulz das Hausboot von Gunther Gabriel gekauft. Wenn es so was in den Wirtschaftsteil angesehener Medien schafft, ist der Weltuntergang wohl noch ein bisschen hin.

Doku über das Reizthema Wölfe

Apropos Randthemen in zentraler Lage: für alle, die zum Beispiel der Flüchtlingsfrage mehr Bedeutung beimessen als zum Beispiel dem Klimawandel, sind Wölfe mindestens das zweitwichtigste Thema der Welt. Wenn ihnen das Erste Montag um 22.45 Uhr die „Story im Ersten“ namens „Schützen oder schießen?“ widmet, dürfte das zwar niemandem vom Gegenteil seiner Meinung überzeugen, aber man kann es ja mal versuchen.

Einer der Orte, wo Wölfe wieder heimisch sind, ist übrigens der Spreewald. Seit acht Jahren ermittelt der einsame Wolf Krüger (Christian Redl) zweieinhalb Stunden zuvor in der ostdeutschen ZDF-Wildnis. Und da Nadja Uhl als seine Ex-Geliebte Tanja zurückkehrt, schließt sich gewissermaßen der Kreis zum zweiten Teil (im ersten 2006 hatte Krüger nur eine Nebenrolle).

Arte-Serie mit Lars Mikkelsen fasziniert

Noch am Anfang einer theoretisch endlosen Reihe Roman-Verfilmungen nach Sebastian Fitzeks Bestsellern steht dagegen „Amokspiel“. Mit Franziska Weisz als Kriminalpsychologin, die einem wirren Entführer (Kai Schumann) das Geisel-Erschießen ausredet, zeigt Sat1 am Dienstag (20.15 Uhr) den nächsten Baukastenthriller mit Quotengarantie.

Wenn Arte ab Donnerstag den dänischen Zehnteiler „Ride upon the Storm“ zeigt, dürfte die faszinierende Pastoren-Saga mit Lars Mikkelsen als Seelsorger, dessen zwei Söhne das Schicksal von Kain und Abel in die Neuzeit übertragen, dagegen kaum beachtet werden. Kulturkanalschicksal.

Talkformat mit steigendem Promillespiegel

Ähnliches gilt für’s kreativste Talkformat deutscher Art. In „Geschichte eines Abends“ unterhalten sich wild zusammen gewürfelte Gäste bei steigendem Promillepegel über Gott, die Welt, und das außergewöhnlich unterhaltsam. Weil die Sendung diesmal mit Charlotte Roche als Gastgeberin in der Nacht auf Sonnabend um 0.15 Uhr im NDR läuft, dürften die Mediathekenzugriffe ihre Erstausstrahlung allerdings weit übertreffen.

Noch was? Frank Roison spielt ab Donnerstag auf Kabel1 Christian Rach und saniert in „Ein Sternekoch räumt auf“ marode Restaurants. Mit „1983“ zeigt Netflix tags drauf sein polnisches Seriendebüt, in dem es (natürlich) um Solidarność geht.

Wiederholungen der Woche

Und die schwarzweiße „Wiederholung der Woche“ ist noch älter als der Anfang vom Ende des Eisernen Vorhangs. Freitag um 23.35 Uhr zeigt der SWR den hochbetagten Wallace-Film „Der unheimliche Mönch“. Unheimlich beeindruckend ist Peter Kurth als alternder Ex-Boxer „Herbert“ (Montag, 23.05 Uhr, MDR), den krankhafter Muskelschwund zur Reflexion seines bisherigen Lebens nötigt. Und was sie seit 1994 aus ihrem gemacht hat, könnte Veronica mal hinterfragen, wenn sie ihren Münchner „Tatort“-Auftritt „… und die Musik spielt dazu“ betrachtet. Der BR zeigt ihn morgen zur unverändert besten Sendezeit.

Jan Freitag

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