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Und nun zum Spocht...

Freitags Montag Und nun zum Spocht...

Das Jahr 2018 wird ein Sportjahr. So viel ist selbst dann abzusehen, wenn FIFA und IOC irgendwann mal Korruption oder Staatsdoping als Rechtsbrüche behandeln. Beides, die Sache mit dem Sportjahr und die mit der nachlässigen Behandlung schwerster Vergehen durch die verantwortlichen Verbände, sind fürs Fernsehen prima Nachrichten.

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Von Sport, Disney und Drogenserien

Da das Publikum schwerfällig, faul und tendenziell hedonistisch ist, wird es sogar dann fleißig einschalten, wenn die ARD das Eröffnungsspiel der (des Staatsdopings verdächtigen) Nationalmannschaft des (der Korruption verdächtigen) Gastgebers Russland übertragen.

Nicht ganz so gute Einschaltquoten beschert dem Ersten hingegen die Deutsche Tourenwagen Meisterschaft, eine Autorennserie der stumpfesten, umweltschädlichsten, chauvinistischsten Art. Dennoch wurde die Übertragung 18 Jahre lang mit Gebührengeldern finanziert. Bis jetzt: die DTM wandert ab 2018 zu Sat1. Das ist eine gute Nachricht. Umso mehr fragen sich Menschen mit Bildung und/oder Verstand, warum ein seriöses Vollprogramm wie die ARD benzinsüchtige Männer überhaupt so lange dabei gefilmt hat, wie sie stinkend im Kreis fahren. Brummbrumm. Herum, herum, herum. Ab und zu Bumm. Wie leicht Menschen doch zu unterhalten sind, sobald ihnen ein X-Chromosom mutiert…

Weil sie, wir, die Männer aber auch sonst ziemlich viel Unsinn machen, der dem Intellekt sogar noch etwas mehr wehtut als die Existenz der DTM, stockt YouTube demnächst die Abteilung zur Löschung jugendgefährdender, gewaltverherrlichender und sonstwie verwerflicher Inhalte auf gut 10.000 Mitarbeiter auf. Klingt viel, ist angesichts von derzeit 65 Jahren Inhalt, die dort jeden Tag hochgeladen werden, aber immer noch viel zu wenig für ein Netz ohne Dummheit. Apropos: RTL Crime, so wurde grad bekannt, gibt seine erste Serie in Auftrag.

Jetzt könnte man meinen, das wird irgendwas mit Männern, die im Kreis Auto fahren. Brummbrumm. Herum, herum, herum. Ab und zu Bumm. Aber Pustekuchen: der Sechsteiler ist ein Remake des schwarzweißen Klassikers „M – Eine Stadt suche einen Mörder“, und gedreht wird es von David Schalko, der das Fernsehen mit „Altes Geld“ oder „Braunschlag“ für den Aberwitz geöffnet hat. Darauf freuen wir uns also ebenso wie auf „Stranger Things“, deren Fortsetzung gerade von Netflix verkündet wurde.

Schon jetzt freuen dürfen wir uns aufs Serienfinale vom „Club der roten Bänder“ , dessen dritte und letzte Staffel heute Abend auf Vox endet. Auch zwei Kinoadaptionen dürften diese Woche zumindest all jenen Freude bereiten, denen ein Viertel Sendezeit Werbung nichts ausmacht. Mittwoch zeigt Pro7 nämlich Daniel Brühl und Emma Watson im Griff der chilenisch-deutschen Sekte „Colognia Dignidad“. Und am Sonntag folgt RTL mit der jüngsten Tarantino-Groteske „The Hateful Eight“ , in der Kurt Russell als Kopfgeldjäger viiiel Kunstblut spritzen lässt, das auch so aussehen soll.

Ganz ohne Ekelfaktor kommt hingegen der ARD-Filmmittwoch „Hit Mom“ aus, den das Erste mit „Mörderische Weihnachten“ untertitelt, damit die Geschichte um eine Putzfrau (Anneke Kim Sarnau) als unfreiwillige Auftragskillerin auch ja ein bisschen in der Zielgruppe der Krimifans andockt. Egal – trotzdem sehenswert. Das würde man von „Das Institut“ auch gern behaupten. Aber die Nischenproduktion des BR, der den Achtteiler ab Mittwoch vorab in seine Mediathek stellt, ist weit weniger gelungen als der Plot einer deutschen Bildungseinrichtung am Kundus vermuten ließe. Schade eigentlich – Christina Große als Institutsleiterin müht sich wirklich redlich, der Culture-Clash-Komödie Leben einzuhauchen.

Das Prinzip online first vorgemacht hat zuletzt der Jugendkanal Funk. Dort begann vor gut einem Jahr die Mystery-Serie „Wishlist“ , deren Fortsetzung am Donnerstag ins Netz geht, während das Erste die erste Staffel zwei Tage drauf um 0.10 Uhr wiederholt. Das sollte man sich beides ansehen, wirklich! Ebenso wie die Dokumentationen der nächsten Tage. Angefangen mit „Der große Zampano“ , die am Dienstag um 22.45 Uhr im ZDF fachkundig und ein bisschen verspielt dem Medienmogul Leo Kirch gedenkt. Tags drauf dann beschäftigt sich der Ableger Info ab 20.15 Uhr in gleich vier Filmen am Beispiel von Reichsbürgern, Ökofaschisten oder US-Nazis mit dem Rechtsruck der Weltpolitik. Und irgendwie passend dazu zeigt Arte um 22.10 Uhr den Film „Das Ende der Unschuld“, in dem Zeitzeugen das Jahr des Epochewechsels in die Barbarei beschreiben. Abgesehen vom 25. Jubiläum des GZSZ-Fieslings Jo Gerner am Freitag blieben da also nur noch die „Wiederholungen der Woche“.

Zum 100. Geburtstag der UFA erinnert Arte am Montag um 20.15 Uhr an Kurt Gerrons Schwarzweißfilmlegende „Der blaue Engel “ von 1930 mit Marlene Dietrich und Emil Jannings im fatalen Zusammenspiel, gefolgt von Veit Harlans „Opfergang“ (22 Uhr) von 1944, in dem Hitlers Lieblingsregisseur mal nicht zum Durchhalten des Faschismus aufrief. Aus einer antifaschistischen Tradition geboren ist der Farbtipp „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ , die kurz vorm deutschen Herbst unter der Regie von Volker Schlöndorff nur scheinbar fiktiv ins Visier von Staatsschutz und Boulevardpresse gerät. Kein Wunder, dass die Springer-Presse 1975 zum Boykott aufrief. Eher unpolitisch ist dagegen der wiederholte „Tatort“: Hendrik Handloegtens hessischer Fall „Der Tote Chinese“ (Montag, 22.15 Uhr, RBB) mit dem brillanten Duo Dellwo/Sänger von 2008.

Von Jan Freitag 

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