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TV-Vorschau Von "Babylon Berlin" bis "Barschel"
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10:53 09.10.2017
„Der Fall Barschel“ läuft am Dienstag, 20.15 Uhr auf 3sat. Quelle: dpa

Wer glaubt, journalistische Unabhängigkeit funktioniere nur frei von echter Empathie, kennt den Modertor Jimmy Kimmel schlecht. Kurz nach dem nächsten furchterregenden, aber allerhöchstwahrscheinlich völlig folgenlosen Amoklauf mit einem legal erworbenen Massenvernichtungswaffenarsenal in den massenvernichtungswaffenarsenalsüchtigen USA, hat der Late-Nite-Talker zutiefst betroffen gegen diesen Irrsinn Stellung bezogen. Mit tränenerstickter Stimme stellte er die Apologeten schrankenfreier Selbstverteidigung vor laufender Kamera an den Pranger und zeigte dort Fotos jener Senatoren, die gerade gegen Zugangsbeschränkungen frei erhältlicher Waffen für psychisch Kranke gestimmt haben. Immer wieder fragt Kimmel sichtlich berührt, wieso Dummheit über den Verstand siege könne.

Das war nicht besonders objektiv, es war im Gegenteil sogar recht tendenziös. Aber es war auch deshalb so wirkmächtig, weil Jimmy Kimmel ausnahmsweise kein Linksliberaler ist wie so viele seiner Kollegen jenseits des rechten Hetzkanals Fox. Sondern ein Mann der Mitte, im Rust- und Bibelbelt fast ebenso beliebt wie an Ost- oder Westküste. Hoffen wir, dass er überall gehört wurde. Verlassen sollte man sich darauf nicht. Nicht in Zeiten wie unseren, die sich von „Brennpunkt“ zu „Brennpunkt“ zur nächsten Horrormeldung aus dem Schreckenskabinett drastischer Einzelereignisse hangelt, scheinbar zügig auf dem Weg in jene Epoche, der in dieser Woche endlich angemessen gehuldigt wird.

„Babylon Berlin“ läuft an. Das Filmporträt jener gleißend hellen Jahre vorm dunkelsten Kapitel der an dunklen Kapiteln keinesfalls armen deutschen Geschichte. Am Freitag ist es soweit, dann geht Tom Tykwers Serie, mit knapp 40 Millionen Euro für 16 Folgen à 45 Minuten die bislang teuerste aus hiesiger Produktion, bei Sky auf Sendung, bevor sie Ende kommenden Jahres auch im Ersten zu sehen sein wird. Und nach allem, was davon bislang zu sehen war, wird es exakt jenes grandiose Ereignis, das dem Publikum über Jahre angekündigt wurde. Deutsches Fernsehen auf Weltniveau.

Verrückt.

Da kann der ZDF-Zweiteiler „Tod im Internat“ trotz Starbesetzung von Nadja Uhl bis Joachim Król nicht mithalten. Der Politthriller im Schulschlossambiente will am Montag und Mittwoch zur besten Sendezeit einfach nur das, was erfolgversprechend ist: Sozialkritik mit Emotionen zu solider Krimiunterhaltung verkleben. Das wäre völlig okay, wenn das wirklich ambitionierte Roadmovie „Detour“ mit der wundervollen Luise Heyer als Mutter bei der abenteuerlichen Rettung ihrer Beziehung heute nicht erst kurz nach Mitternacht im Zweiten liefe. Oder wenn es wie vorm dualen System mal wieder den Mut gäbe, etwas wie die NDR-Kurzfilmnacht nicht parallel kurz vor Mitternacht bis 3.05 Uhr laufen zu lassen.

Oder drei Tage später die zehn Beiträge der Filmhochschule Babelsberg zum Experiment HEIMAT.Film zur Geisterstunde im Hessischen Rundfunk. Oder. Oder. Oder. Bisschen wagemutig wird es anderswo. Auf Arte zum Beispiel, wo die belgische Seriengroteske „Sylvia’s Cats“ ab Dienstag um 21.45 Uhr zehnmal von einer Frau erzählt, die ihrer desolaten Ehe ausgerechnet in ein Bordell entkommt, wo sie zur Puffmutter aufsteigt, während zugleich ein uralter Mord aufgeklärt wird.

Skurril wird es auch, wenn der tristeste Komiker im Land – Nico Semsrott – am Samstag um 20.15 Uhr auf 3sat sein Soloprogramm „Freude ist nur ein Mangel an Information“ zum Besten geben darf. Und die absurde Superheldenpersiflage „The Tick“ um eine unverwundbare, idealistische, wohlmeinende, aber leider etwas selbstverliebte Zecke im Kampf mit dem Bösen startet am Freitag bei Amazon Prime, eine Art Superschurke der Konsumgesellschaft.

Da fällt der Übergang zur farbigen Wiederholung der Woche nicht schwer. Es ist die Sage vom Urzeitfantasysuper-, hüstel: Helden „Conan der Barbar“ (Donnerstag, 20.15 Uhr, Tele5), der 1984 einen gewissen Arnold Schwarzenegger ins Rampenlicht katapultierte. Ein Fokus, dem sich Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Uwe Barschel 1987 durch Suizd in der Badewanne entzogen hat – glaubt man zumindest der offiziellen Version.

In Kilian Riedhofs halbrealer Fiktion „Der Fall Barschel“ (Dienstag, 20.15 Uhr, 3sat, mit anschließender Dokumentation) hingegen versuchen zwei Journalisten zum 30. Todestag auf Biegen und Brechen ein Komplott zu enthüllen, was 2016 zum Besten zählte, was das Fernsehjahr hervorgebracht hat. Die schwarzweiße Wiederholung widmet sich einer anderen Berühmtheit: „Mata Hari“, 1964 verkörpert durch die unvergleichliche Jeanne Moreau (Montag, 22.15 Uhr, Arte). Und abschließend noch zum Alt-Tatort – diesmal Nr. 244 von 1991: Der Schmanski-Fall „Bis zum Hals im Dreck“, am Dienstag um 23.40 Uhr im WDR.

Von Jan Freitag

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