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TV-Vorschau Von Sport, Disney und Drogenserien
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16:56 18.12.2017
Disney hat  21. Century Fox übernommen. Quelle: Richard Drew /dpa

Die Übernahme von 21. Century Fox durch Disney vor ein paar Tagen ist weit mehr als bloß etwas globalisierte Marktwirtschaft unter Konkurrenten. Dass der Entertainmentkonzern mit Kinoschwerpunkt noch ein wenig mehr im Fernsehfach wildert, belegt auch die zunehmende Nervosität der Platzhirsche. Denn der Kauf von Marken wie „Simpsons“ oder „X-Men“ explizit damit erklärt, den Frischlingen Paroli bieten zu wollen: Amazon, Youtube, Netflix. Digital ist besser, lautet die Erkenntnis der alten Player. Sie stellt allerdings auch eine Form von Respektsbekundung dar, die zu noch mehr Investitionen in zugkräftiges, aber eben anspruchsvolleres Fernsehen führen dürfte.

Fernsehen wie die Serie „Wormwood“. Der Begriff Dokudrama mag scheußliche Assoziationen an Guido Knopp wecken, der uns mit diesem Genre zwei Jahrzehnte lang das Tätervolk deutscher Diktaturen romantisieren half. Doch wenn Netflix aus dem dubiosen Tod des amerikanischen Bakteriologen Eric Olsen (Peter Sarsgaard) im Jahr 1953 eine Serie bastelt, wird es halt annähernd so gut wie „Homeland“, jedenfalls nicht annähernd so schlecht wie „Die Luftbrücke“ und ähnlich revisionistischer Geschichtsquark. Das diesbezüglich gottlob geläuterte öffentlich-rechtliche Programm in Deutschland muss sich derweil mit einer anderen Debatte ärgern.

Die „Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten“ KEF hat in einem Zwischenbericht ermittelt, dass ARD und ZDF satte 550 Millionen Euro Überschuss erwirtschaftet hat. Klingt super, hat auch mit Einsparmaßnahmen zu tun, befeuert aber wieder mal die Forderung nach Beitragssenkungen, was im Umkehrschluss nur zu verhindern wäre, wenn die Überschüsse abgebaut, also weniger eingespart würde. Mal sehen, ob FDP und AfD diesbezüglich demnächst ein gemeinsames Papier zur Abschaffung des vermeintlichen Staatsfunks verfassen.

Wogegen sich kein Protest regt, ist, dass ARZDF nun doch satte 230 Stunden von den Olympischen Spielen senden, also kaum weniger als zu jener Zeit, als sie die Übertragungsrechte hierzulande noch vollumfänglich inne hatten. Aber weil deren Inhaber Eurosport keinerlei Anstalten macht, sein Premiumprodukt von Doping oder Korruption trüben zu lassen, sondern lieber die Shownase Marco Schreyl als Sportmoderator verpflichtet, liegt es an den Lizenznehmern, die Fackel des Journalismus von Pjöngjang zurück nach Deutschland zu tragen.

Wie so etwas aussehen könnte, zeigt das Erste am Dienstag. Während das DFB-Pokal-Achtelfinale Schalke gegen Köln zur Primetime läuft, gibt es nicht etwa gleich im Anschluss, sondern um 23.30 Uhr die wichtige, aber dank der späten Sendezeit wohl ungesehene Doku über den „Fall des Kaisers“ Franz Beckenbauer. Von daher sei an dieser Stelle ein anderes Sportereignis empfohlen, bei dem die erste von vier Silben per se im Schatten der letzten drei steht: Darts. Sport 1 überträgt die WM täglich ab 20 Uhr, und das eignet sich echt bestens für Nebentätigkeiten auf dem second screen. Netflix zum Beispiel.

Dort startet Freitag die Wahnsinnsserie „Dope“, in der wie einst bei „Sopranos“ oder „Breaking Bad“ mal wieder am Tabu gerührt wird: Ein Drogendrama nämlich, strikt aus Sicht von Dealern erzählt. Für so viel Eigensinn ist im Ersten vor allem Olli Dittrich zuständig. Im 9. und letzten Teil seines Fernsehfigurenzyklus schlüpft er Donnerstag um 23.25 Uhr in die Rolle der Seriendarstellerin „Trixie Dörfel“. Ereignis ohne Sport im Ersten. Geht doch. Ein anderes ist anscheinend doch zu jung, frisch, zu digital fürs lineare Programm: „Offscreen“, eine Mockumentary übers seltsame System des hiesigen Showgeschäfts am Beispiel der scheiternden Daily-Soap-Darstellerin Sila (Sila Sahin).

Sowas läuft dann halt ab Donnerstag um 16 Uhr beim Jugendkanal Funk, während die ARD vier Stunden später einen Kinderbuchautor zum Held eines Biopics macht. Florian David Fitz, der sich in „Kästner und der kleine Dienstag“ mit einem jungen Fan durch die finsterste Zeit Deutschlands schlawinert, ist gutes Erzählfernsehen mit Augenzwinkern, Stil und Klasse. Das Ruder herumreißen Richtung junge Zielgruppen tut man damit sicher nicht. Das schafft eher Sat1 mit dem charmanten Komiker Luke Mockridge, der am Freitag (20.15 Uhr) unter der Klammer „LUKE! Das Jahr und ich“ aufs Jahr zurückblickt. Und für alle, wirklich alle Generationen, Schichten, Sichten empfehlenswert: Ein Dokumentarfilm über die Blaskapelle LaBrassBanda (Donnerstag, 23.45 Uhr, BR) mit anschließendem Konzert.

Bei den „Wiederholungen der Woche“ müsste man nun eigentlich aufs Heiligabendprogramm zu sprechen kommen. Angesichts von „Feuerzangenbowle“ (ARD) über Carmen Nebel (ZDF) bis „Santa Clause 2“ (RTL) raten wir aber dazu, den Flatscreen kalt zu lassen und stattdessen Donnerstag (23.40 Uhr, RBB) „Das Brot der frühen Jahre“ zu sehen. Herbert Veselys schwarzweiße Böll-Verfilmung übers Kollabieren einer bürgerlichen Existenz führte die Nouvelle Vague 1962 ja in den Neuen Deutschen Film über. Immer wieder farbig schön: „Pretty in Pink“ (Dienstag, 22 Uhr, Neo), Aschenputtel-Highschool-Version von 1985 mit der sehr bunten Molly Ringwald. Immer wieder farbig krass: „Apocalypse Now“ von 1979, am Montag um 0.40 Uhr (HR) in der 40 Minuten längeren Version „Redux“. Und heute ab 22.15 Uhr im RBB farbig, aber doch unterkühlt – zwei „Tatorte“ des Jahres 1985 mit Volker Brandt und Heinz Drache.

Eine Kolumne von Jan Freitag (mehr von ihm lesen Sie unter www.freitagsmedien.com)

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