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18:11 02.10.2017
Max Bretschneider und Martin Brambach spielen die Hauptrollen in "Willkommen bei den Honeckers".
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Lübeck

 Zum Tag der deutschen Einheit könnte die mediale Lage im Land kaum zwiespältiger sein. Und dann verbannt das ZDF auch noch seine groß angekündigte, aber furchtbar missratene Journalismus-Serie „Zarah“ mangels Erfolg auf den Spartenkanal Neo.

Beim Mutterschiff dagegen startet heute zur publikumsfreundlichen Mitternacht der Vierteiler „Stunde des Bösen“, in der Nachwuchsregisseure vier Montage zu nachtschlafender Zeit die menschlichen Abgründe erforschen. Den Anfang macht Astrid Schults Thriller „Winterjagd“ mit Carolyn Genzkow als junge Frau, die sich einen Alt-Nazi zur Brust nimmt – den ausgerechnet der Holocaust-Überlebende Michael Degen spielt. Ebenfalls Neulingen gewidmet ist der SWR-Schwerpunkt „Junger deutscher Dokumentarfilm“. Ab Mittwoch bietet er bereits zum, 17. Mal Sachfilm-Rookies eine Plattform. Zum Auftakt nutzt sie Aslý Özarslan für ihr Porträt der deutschen Kurdin „Leya“, die am Ort ihrer Wurzeln zur jüngsten Bürgermeisterin der Region gewählt wird.

Tief gläubig, aber auch überaus bizarr wird es im Till Endemanns stillen, aber aufwühlenden ARD-Mittwochsfilm „So auf Erden“. Das real existierende Ehepaar Edgar Selge und Franziska Walser spielt darin ein fiktionales Ehepaar evangelikaler Prediger, das im Gewitter weltlicher Versuchungen zu bestehen versucht. Eher ungläubig, aber keinen Deut weniger absurd ist Dietrich Brüggemanns Groteske „Heil“ (Arte, 22.25 Uhr) um einen Afroamerikaner, der wegen einer Amnesie plötzlich Naziparolen faselt und so zum Medienstar der Rechten wird.

Tags zuvor, dem Namen nach der deutschen Einheit gewidmet, geht es aber von morgens bis abends um alles rund um die sogenannte Wende. Darunter sind so unterschiedliche Werke wie „Ein Herz und eine Seele“, wo Ekel Alfred um 16.25 Uhr im WDR passenderweise „Besuch aus der Ostzone“ kriegt. Brandneu dagegen ist die Komödie „Willkommen bei den Honeckers“ zur besten Sendezeit im Ersten. Nach realen Motiven kriegt die Titelfigur darin 1991 ungebetenen Besuch von einem „Bild“-Reporter, der sich 1991 unterm Vorwand, ein kommunistischer Fan zu sein, bei den zwei abgehalfterten Ex-Diktatoren einschleicht. Johanna Gastorf und Martin Brambach spielen Margot und Erich Honecker dabei so wahrhaftig, zugleich lustig, aber nie verächtlich, als seien sie es wirklich.

Um all dies abzüglich des Humors ging es Veronica Ferres vor zehn Jahren zweifellos auch in ihrer Rolle als „Die Frau vom Checkpoint Charlie“ (ARD, 1.00 Uhr). Dass das Melodram am Ende doch oft unfreiwillig komisch geriet, liegt dann halt an der Hauptdarstellerin, die von Understatement und Augenzwinkern vermutlich weniger versteht als von Spiralgalaxien.

Dann doch lieber echter Humor mit Hintersinn wie „Good Bye, Lenin!“ um 20.15 Uhr auf 3sat oder zur Abwechslung mal etwas, das seinerzeit durchaus heiter sein wollte, obwohl es um Mord und Totschlag ging: in der schwarzweißen „Wiederholung der Woche“ zeigt Kabel1 am Dienstag ab 16.30 Uhr gleich vier der legendären Wallace-Verfilmungen aus den Sechzigern Mit Käuzchen, Kunstnebel und Frauengeschrei lässt sich der Feiertag mit „Der Fälscher von London“, dann „Das Indische Tuch“, zwischendurch „Der Frosch mit der Maske“ und zum Finale „Der grüne Bogenschütze“ ganz gut überstehen.

Dagegen wirkt der erste „Tatort“ von Ballauf/Schenk trotz seiner 20 Jahre auf dem Buckel fast modern. Aber eben nur fast. Eingeleitet wird „Willkommen in Köln“ am Dienstag im WDR (22.30 Uhr) übrigens eine Dreiviertelstunde zuvor mit einer kleinen Geburtstagsdoku an die zweitdienstältesten Ermittler. Happy Birthday!

Mehr von Jan Freitag lesen Sie auf www.freitagsmedien.com 

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