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Tatort-Blitzkritik Ein Fall aus der bösen, bösen digitalen Welt
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14:18 02.01.2018
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Saarbrücken

Saarbrückens „Tatort“-Kommissar Jens Stellbrink hat sich in vorhergehenden Folgen der ARD-Krimiserie zahlreiche Feinde gemacht. Er wurde von den Regisseuren Hannu Salonen und Zoltan Spirandelli, beides Experten fürs Skurrile, als ewig grinsender Kauz mit einer roten Vespa unter dem trägen Hintern gezeichnet. Schauspieler Devid Striesow hat diesem Sonderling stets die angemessen lässige Würde des Unzeitgemäßen verliehen. Im aktuellen „Tatort: Mord Ex Machina“ ist dieser Stellbrink in der Regie des Flensburgers Christian Theede im digitalen Zeitalter angekommen. Ein viral diskutiertes Szenario eröffnet den Mordfall: Ein autopilotiertes Fahrzeug rast in einen Abgrund, mit ihm der Justiziar einer Datensammelfirma in den Tod.

Schnell wird klar: Da hat ein Fernsehmacherteam etwas ganz Brisantes und Dringliches in seinem Krimi thematisieren wollen. Die Geschichte soll auf beklemmende Art und Weise von den Abgründen handeln, die die digitale Technik mit sich bringt.

Theede und seine Drehbuchautoren Hendrik Hölzemann und David Ungureit tappen allerdings in eine dramaturgische Falle, die bereits einigen Filmen über Internet-Phänomene und virtuelle Räume zum Verhängnis wurde: Vieles spielt sich zwangsläufig auf Bildschirmen ab, und Tatstaturen sind keine attraktiven Tatorte. Die Visualisierung von Computervorgängen mittels Leuchtschrift im Nirwana des Fernsehbildes ist zum Gähnen.

Und so dümpelt der „Tatort: Mord Ex Machina“ vor sich hin und ist letztlich ein Plädoyer für den Verbleib der Guten und Gerechten in der analogen Welt. Zum Glück darf Striesow-Stellbrink seine Inspektor-Columbo-hafte Scheinnaivität behalten. Und ganz zum Schluss lässt er den überführten Täter aus dem Internet-Startup dann doch noch wissen, dass sein Ermittleinstinkt auch in dessen Sphäre funktioniert: „Das ist das Schöne an der digitalen Welt: Es geht nichts verloren, man muss nur wissen wo man zu suchen hat.“

Striesow wird demnächst abtreten, dies war einer seiner letzten Fälle. Die „Tatort“-Gemeinde wird ihn kaum vermissen, doch ohne seinen Stellbrink wird die Kommissar-Riege leider ein wenig einförmiger.

Von Michael Berger

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