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Kopper zerstört seine Karriere und seinen Fiat 130

Tatort-Blitzkritik Nr. 262 „Kopper“ (Ludwigshafen) Kopper zerstört seine Karriere und seinen Fiat 130

Zum Abschluss darf Kopper alle Register ziehen: Der Ludwigshafener Kommissar ist so italienisch wie nie, wird zum Jäger und Gejagten in einer komplizierten Mafia-Story, darf schießen und sich prügeln und gewinnt sogar eine Verfolgungsjagd. Die nach ihm benannte „Tatort“-Folge ist spannend, bei Licht besehen hat sie aber zu viele Ungereimtheiten.

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Ludwigshafen . Es geht um Freundschaft, um Vertrauen, um Loyalität – und um Verrat. Das hätte schon gereicht bei diesem Abschiedskrimi für Andreas Hoppe, der seit nunmehr 57 Folgen an der Seite von Ulrike Folkerts (Lena Odenthal) in Ludwigshafen Mörder jagt. Stattdessen geht es aber auch noch um Giftmüllschmuggel nach Sizilien und zurück, um Mafia-Gesetzgebung in Deutschland und um die Schwierigkeiten für reumütige Verbrecher, Aufnahme ins Zeugenschutzprogramm zu erhalten. Uff. Da wäre weniger mehr gewesen.

Die Idee, Kopper mal eine richtige Mafia-Story zu gönnen, ist ja ganz hübsch: In Rückblenden beschnuppert er auf dem Markt Apfelsinen (wie weiland der Ur-Pate Marlon Brando), bevor er mit seinem Jugendfreund Sandro ins Kino geht: in „Der Pate II“. Auf einmal erfahren wir Dinge, die Kopper bislang gut verborgen hat: wie nah er der sizilianischen Mafia als Jugendlicher war, zum Beispiel. Kopper und Sandro messen ihre Kräfte, mit Blicken, mit Fäusten, mit Autos. Der für einen Italiener eigentlich zu hünenhafte Kopper geht dem falschen Kerl auf den Leim. Er ist einfach zu gutgläubig und bricht als Freundschaftsbeweis mal eben Gesetze und die eigenen Grundsätze.

Sogar ein James-Bond-Auftritt ist Kopper vergönnt, als er mit einem Motorboot (das zufällig bereit liegt) und später mit einem beschlagnahmten BMW die Verfolgung aufnimmt. Dass er am Ende seinen geliebten Fiat 130 rammt, um den Flüchtenden vor der Grenze zu stoppen, versinnbildlicht, dass wirklich Schluss ist mit seiner Polizeikarriere. Dieser „Tatort“ ist atemberaubend inszeniert und hochspannend, es könnte fast ein guter Mafia-Thriller sein. Aber der Film ist eben auch überfrachtet und voller logischer Widersprüche: Zu wem gehören zum Beispiel die Verfolger, die Sandro gelassen nahen sieht, bevor er mit Kopper aus dem Fenster springt und flieht?

Obwohl Mario Kopper seine alte Freundin und Kollegin hintergeht: Lena Odenthal hilft ihrem langjährigen Partner aus der Patsche, stellt sich aber schon auf ihre neue Hightech-Kollegin Johanna Stern ein: Die frühere Technik-Skeptikerin Odenthal mailt Unterlagen per Handy weiter und lässt sich auf eine digitale Schussbahnanalyse in 3D ein. Wir sind gespannt, wie diese beiden Damen künftig miteinander auskommen. Lena wird noch sehen, was ihr fehlen wird an Kopper, der ihr Seelentröster war, ihr Mitbewohner – und oft genug ihr Lebensretter. Mario Kopper selbst beginnt seinen Ruhestand offenbar in glücklicher Liaison mit seiner Maria am Strand von Sizilien – unbehelligt von Rachegelüsten der Mafiosi wegen des von ihm erschossenen jungen Mannes. Ciao, Ragazzo!

Von Lars Fetköter

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