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Tatort-Blitzkritik Die Soldatin, die per Joystick tötet
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07:20 10.12.2018
Eine Kritik von Lars Fetköter. Quelle: LN
Ludwigshafen

Der Filmtitel am zweiten Advent lässt weihnachtliche Bezüge vermuten. Von wegen: „Vom Himmel hoch“ behandelt den tödlichen Einsatz von Drohnen, die aus der Luft in den Krieg eingreifen. Der kurdische Vater zweier Angriffsopfer, Mirhat Rojan, plant einen Drohnenanschlag auf den Vize-Verteidigungsminister der USA, die mögliche Täterin, Ex-Drohnenpilotin Heather Miller, will Jason O‘Connor ebenfalls töten - als Rache für ihre durch den Bombeneinsatz am Joystick zerstörte Seele.

Diese Konstruktion ist gelungen: zwei Motive, zwei Versuche der Rache. Und beide, der kurdische Vater und die US-Soldatin, ließen sich bei dem Trauma-Psychologen behandeln, der als Mordopfer Ausgangspunkt der Ermittlungen ist.

Stark gespielt

Das ist stark gespielt: wie das kurdische Bruderpaar verzweifelt („wir müssen töten, damit ihr uns zuhört“) und schließlich mit seinem naiven Anschlagsplan per Bastelbombe scheitert. Und erst recht, wie Lena Drieschner als Soldatin Miller Schicht für Schicht ihr zerrissenes Inneres offenlegt.

Auch der Spannungsbogen funktioniert: Der Puls beim Showdown im Tagungshotel steigt deutlich über den Tatort-Durchschnittspegel. Da fällt kaum auf, dass es auch einer um ihre Kollegin bangenden Hauptkommissarin nicht zusteht, den Leichnam der von ihr per Kopfschuss getöteten Attentäterin einfach im Hotelflur liegenzulassen.

Überflüssige Verwirrelemente

Ein bisschen viel wirkt am grünen Tisch konstruiert: zum Beispiel, dass Kommissarin Stern den kurdischen Kerl schon kennt, weil er sie mit dem Fahrrad ausgebremst hat. Auch der eifersüchtige Ehemann der Psychologin und ihre heimliche Geliebte sind überflüssige Verwirrelemente.

Dafür wird Lenas mühsame Abnabelung von Kopper intelligent in Szene gesetzt: mit dem wehmütigen Griff zum Spielzeug-Alfa beim (Kapsel-)Espresso. Noch ist nicht alles austariert zwischen den beiden Ermittlerinnen.

Ciao, Kopper, willkommen Johanna?

Aber wie Lisa Bitter als eben erst gerettete Johanne Stern die „Tough-Cookie“-Kommissarin nach ihrem tödlichen Schuss tröstet - das geht unter die Haut. Ciao, Kopper, willkommen Johanna? Das könnte was werden.

Lars Fetköter

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