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Tatort-Blitzkritik Klar wie Kloßbrühe war da nichts
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21:40 26.08.2018
Eine Kritik von Petra Haase. Quelle: dpa/Maxwitat/Haller

"Ein Sonntag ohne Thüringer Klöße verlöre viel von seiner Größe." Das war mal ein Spruch im DDR-Fernsehen, und der passt perfekt zum heutigen "Tatort". Wenn man Klöße und den Weimarer Witz mag. Wahrscheinlich scheiden sich hier die Geister ähnlich wie beim Münsteraner Klamauk-Krimi: Entweder man liebt diesen Humor, der zuweilen dominanter ist als der Fall, oder man ist davon genervt. Wer aber Sinn für Wortwitz, rustikale Sprüche und irrwitzige Typen  hat, kam auf seine Kosten bei diesem inzwischen schon siebten Weimarer "Tatort" mit dem schönen Titel "Die robuste Roswita". So heißt eine Kartoffelsorte, benannt nach der Frau des toten Chefs der traditionsreichen thüringischen Kloßmanufaktur Hassenzahl.

Wenn ein Mord in einer Kloßmanufaktur angesiedelt ist, liegen die Kalauer sozusagen schon auf dem Präsentierteller, und da lassen Drehbuchschreiber Murmel Clausen und Andreas Pflüger auch nichts aus. "Der Kloß mit der Soß liegt auf dem Teller mit Stella" etwa, da wird ein Soß-Kloß erfunden, auf dem Schreibtisch des Ermordenten liegt noch ein frischer Frühstücks-Kloß, und bei der Vernehmung im überdimensionierten Schau-Kloß ist im Hintergrund zu lesen: "Adam hätt im Paradies den Apfel nicht probiert, hätt Eva ihm zur gleichen Zeit den Thüringer Kloß serviert". 

Es kommt Skurriles auf den Tisch

Überhaupt hatte man manchmal den Eindruck, dass die Thüringer Tourismuszentrale mitgemischt hat, denn nicht nur die Klöße in all ihrer Größe wurden zelebriert, auch die Rostbratwurst hatte ihren Auftritt. So schön schmeckt Thüringen!

Was den Ermittlern Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) und den Zuschauern ansonsten so aufgetischt wurde, war reichlich skurril: Der tiefgefrostete und dann zu Mehl geschredderte Geschäftsführer in einem Unfallwagen, seine Gattin Roswita, die angeblich das Gedächtnis verloren hat und nur wenige Kilometer von ihrem Heimatort in einer Raststätte von allen unerkannt als Klofrau arbeitet, der gefrustete Kartoffelbauer mit vergifteten Knollen und vergiftetem Hund, eine humpelnde Geliebte des Ermordeten. 

Man könnte mal wieder Klöße essen

Klar wie Kloßbrühe wurde lange nichts. Fragen über Fragen: Wie kommt der Bauer zu der eleganten Supermarkt-Chefin? Hat die robuste Roswita wirklich keinen Schimmer oder tut sie nur so? Kann man ihrem neuen Freund trauen?  Dass sich die Mörder am Ende mit ihrem eigenen Gift aus dem Leben befördern, war originell - dennoch blieben einige Ungereimtheiten.

Doch mit solchen Pingeligkeiten sollte man sich beim Weimar-"Tatort" nicht aufhalten. Statt dessen konnte man sich an den Kabbeleien von Dorn und Lessing erfreuen, an Wortspielen wie "erst war man per Du, jetzt ist alles perdu", am verschnupften Kommissariatsleiter (Thorsten Merten), der mit Gewissensbissen in die Kühlkammer verbannt wird, und am dusseligen Streifenpolizisten Lupo (Arndt Schwering-Sohnrey).

Insgesamt machte dieser "Tatort" Appetit: Man könnte eigentlich mal wieder Klöße essen. Oder wenigstens eine Rostbratwurst auf den Grill schmeißen.

Petra Haase

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