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Tatort-Blitzkritik Langeweile in Dresden
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21:37 21.05.2018
Dresden

Wer den Pfingstmontag beim Grillen oder am Strand verbracht und den "Tatort" verpasst hat, muss sich nicht grämen - mit dieser Folge hat er nichts verpasst. Dabei ist das Thema Online-Dating hochaktuell:  Einerseits Missbrauch und Abzocke - die die junge Doro mit dem Leben bezahlen musste, obwohl sie überhaupt nichts damit zu tun hatte. Andererseits die Vereinsamung von Menschen und die großen Hoffnungen, die viele auf einen online-Flirt setzen: Das waren wirklich berührende Szenen, wie der verklemmte Patrick  merkt, dass er verarscht wurde und doch nur ein bisschen Liebe wollte.

Aber sonst: Alles voraussehbar. Kommissarin Henni Sieland (Alwara Höfels, l.) und Kollegin Karin Gorniak (Karin Hanczewski) wollen Undercover ermitteln, der Chef verbietet es, aber deckt die beiden. Es liegt  auf der Hand, dass der verhuschte Patrick nicht der Mörder ist, bleibt also nur der smarte reiche Schnösel übrig als Täter. Das wissen eigentlich alle bis auf Kommissarin Gorniak, die ihn beschattet und begattet. Beim Showdown schleichen alle im Dämmerlicht wie Heinzelmännchen unter Waffen durchs Haus, und nicht nur da nervt die Glockenspielmusik, die den ganzen Film hindurch klimpert.

Gab es auch was Gutes? Ja, die Szene, als die Kommissarinnen sich ein Profil fürs onlinedaten aussuchen ("Der ist zehn, du bist acht") und als Kommissariatsleiter Schnabel (immer originell: Martin Brambach) den Babysitter für den pubertierenden Sohn von Kommissarin Gorniak spielt.

Ärgerlich der Schluss: Die Kommissarinnen sprechen über Hennis ungewollte Schwangerschaft, dann sagt Henni unvermittelt: "Ich will das alles nicht mehr", meint damit den Job und geht. In keiner Weise wurde vorher angedeutet, dass sie die Nase voll hat vom Dienst. Im Gegenteil, sie hat die meiste Energie versprüht. Und ihre Kollegin fragt nicht weiter nach. Also bitte?

Schauspielerin Alwara Höfels quittiert den Tatort-Dienst nach nur zwei Jahren wegen  eines "fehlenden künstlerischen Konsens", heißt es. Kann man gut verstehen nach diesem Tatort. Hoffen wir, dass es mit Cornelia Gröschel  als neuer Kommissarin auch bessere Drehbücher gibt!

Petra Haase

 

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