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Tatort-Blitzkritik „Letzte Tage“: Gekonntes Schweizer Tabu-Themen-Stück
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21:25 23.06.2013
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Natürlich gehört es zum Genre, dass es in einem Krimi um Leben und Tod geht. Trotzdem darf sich Bodensee-Crew rühmen, eine ganze Reihe von Tabu-Thema zumindest gekratzt zu haben. Wie lange ist ein Leben noch lebenswert? Darf man töten, um Leben zu retten? Und was ist eine Liebe wert, die keine Träume kennt – weil man weiß, dass einer von beiden sehr bald sterben muss.

Aus solchem Stoff bastelt man normalerweise bedeutungsschwere Dramen. Der SWR hat einen „Tatort“ draus gemacht. Das war gewagt, aber das Wagnis hat sich gelohnt. Selbst die alte Krimi-Weisheit, dass am Ende immer der der Mörder ist, von dem man es am wenigsten erwartet, traf diesmal nicht so richtig zu – es gab einfach viel zu viele, die so verdächtig unverdächtig waren, dass nur sie es hätten sein können. Ganz nebenbei: Wenn ausgerechnet der Vater eines kleinen Jungen, der in ein paar Monaten sterben muss, überführt wird, weckt das sogar so etwas wie Mitleid beim Betrachter.

Natürlich hatte auch „Letzte Tage“ seine Schwächen, aber darüber kann man diesmal gnädig hinwegsehen. Soll man wirklich glauben, der Chef des schweizerischen Geheimdienstes wird von einem Pharma-Riesen bezahlt? Naja  . . . Und unter uns: Nicht alle Medizin-Professoren sind raffsüchtige, geldgierige Monster. Nicht mal im Film.

Aber sonst: wirklich gute Krimi-Unterhaltung. Selbst der Gag mit den per Handschellen aneinandergeketteten Ermittlern wirkte nicht allzu plump. Das war zwar nahe an der Klamotte, aber irgendwie kaufte man sogar das den Darstellern ab.

Und eines – wenn auch nur am Rande – wollen wir auch nicht vergessen: Der von Roland Koch herrlich undurchschaubar gespielte Kommissar Matteo Lüthi gehört laut Drehbuch zur Kantonspolizei der Eidgenossen. Und damit gibt es endlich nach etlichen Pleiten und Verrissen doch einmal einen gelungenen „Tatort“ aus der Schweiz – wenn auch nur zum Teil.

Uwe Nesemann

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