Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -6 ° heiter

Navigation:
Nur die Liebe zählt

Tatort-Blitzkritik Nr. 260: „Der wüste Gobi“ (Weimar) Nur die Liebe zählt

Lustig und spannend, ein netter Tatort. Aber muss so ein Krimi am Weihnachtsabend überhaupt sein? Die Antwort gibt das Ermittlerpaar Lessing und Dorn. Ihre ironisierte Liebe zueinander, im Dienstalltag gut getarnt, ist ein schönes Beispiel dafür, wie Menschen miteinander umgehen können.

Weimar. Natürlich ist der Tatort aus Weimar ein bisschen schräg. Aber das ist bei den Thüringern ja Konzept. Dieser Plan allerdings würde ohne Nora Tschirna (Komissarin Kira Dorn) und Christian Ulmen (Dorns Partner Lessing) schlicht und einfach nicht funktionieren. Beide spielen ihre Rolle so authentisch und treffsicher in den Pointen, dass man glauben oder gar wünschen könnte, sie wären auch im echten Leben ein Paar.

Jedenfalls hält der Film den Zuschauer fest. Die Story verblödelt nicht, obwohl sie sich auf einem schmalen Grat zwischen Klamauk und Spannung bewegt. Jürgen Vogel gibt den Gobi hervorragend und glaubwürdig – das Publikum darf dabei sein, wie die Medikamente aus dem Körper weichen und der Kopf wieder klarer wird. Gleichzeitig klärt sich auch die Handlung. Das heimische Ratespiel: „Wer ist der Böse?“ bekommt trotzdem ständig neue Nahrung.

Das Verhör eines Patienten, der in die Rolle des Arztes geschlüpft ist: Ein Höhepunkt im Tatort. Vor allem, weil dann der Auftritt des richtigen Arzt mit dem des psychisch Kranken nahezu deckungsgleich ist. „Wer ist Arzt, wer ist der Irre?“ heißt es danach ebenso schön unkorrekt wie zuvor, als die Behörden nach Gobis Flucht vermelden, ein „Wahnsinniger“ sei ausgebrochen.

Doch immer wenn es zu platt werden droht, wenn das Drehbuch zu durchschaubar wird, die Dialoge auf Witz gedrillt sind, retten Dorn und Lessing. Ihnen ist nichts Menschliches fremd, ob im eiskalten Schlafzimmer und beim gespielt erschreckten Ertasten langer Unterhosen. Die frohe Weihnachtsbotschaft: Wenn die Liebe nicht kleinzukriegen ist, sind selbst Liebestöter erlaubt.

Jetzt schreibt es der Blitzkritiker auch nochmal: Gobi heißt natürlich komplett Gotthilf Bigamiluschvatokovtschvili. Unfallfrei aussprechen kann das aber nur Lessing – und versetzt damit die entzückende Partnerin Dorn in stille Bewunderung. Ulmen und Tschirner - einfach zum Liebhaben.

Nick Vogler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Alle „Tatort“-Teams im Überblick

Ein Überblick über die „Tatort“-Teams der ARD