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Tatort-Blitzkritik Seelische Abgründe
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21:44 28.01.2018
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Dresden

Man wird den Eindruck nicht los, dass es einen heimlichen Wettstreit zwischen Tatort-Drehbuchschreibern gibt, wer sich am tiefsten in seelische Abgründe hineinfräsen kann. Und in der Blitzkritikerin wächst der Wunsch, als Ausgleich Rosamunde Pilcher zu gucken oder wenigstens mal einen Tatort, in dem es um einen bodenständigen Mord aus Habgier geht, bei dessen Aufklärung auch mal gelacht werden darf.

Das ironische Augenzwinkern war eigentlich bisher ein Markenzeichen des Dresden-Tatorts. Doch dafür ist in Déja-vu nun wirklich kein Platz.

Leider.

Stattdessen geht es wieder einmal um Kindesmissbrauch. Das allein ist offenbar aber noch nicht schlimm genug. Der auffällig junge, gutaussehende und sympathische Täter (sehr beeindruckend gespielt von Benjamin Lillie) hat eine ebenfalls seelisch schwer gestörte Frau (Alice Dwyer) an seiner Seite, die ihn deckt, den Verdacht auf einen anderen lenkt und ihrem Freund im Bett pädophile Geschichten erzählt, um ihn heiß zu machen. 

"Wann sind die Leute so krank geworden?", fragen sich nicht nur die Kommissarinnen. Kein Wunder, dass die gesamte Kripo gereizt und angeschlagen wirkt. Der Zuschauer hat vollstes Verständnis dafür, dass alle Beteiligten diesen Fall mit nach Hause nehmen und aller Welt mit Misstrauen begegnen.

So unterstellt Kommissarin Karin Govniak (Karin Hanczewski) irgendwann auch ihrem neuen Lover pädophile Tendenzen, weil dieser auffällig viel Zeit mit ihrem Sohn verbringt.

Ein Lichtblick ist wie immer Kommissariatsleiter Schneider (Martin Brambach), der sich wunderbar cholerisch darüber echauffiert, dass er nicht alles machen darf, was technisch möglich wäre.

Und dann wären da noch falsche Verdächtigungen, Gewaltausbrüche, traumatisierte Eltern, deren Trauer und Hilflosigkeit schwer zu ertragen sind und eine ungewollte Schwangerschaft. 

Puuh. Eindeutig zu viele Abgründe und seelische Qualen tatfür 1,5 Stunden.

Die Blitzkritikerin steht kurz davor, sich eine Tatort-Pause zu verordnen.

Grit Petersen 

 

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