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Tatort-Blitzkritik "Tatort"-Blitzkritik: Bis Mitte August nur Wiederholungen
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22:06 30.06.2013
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Lübeck

„Jedes Wochenende des Jahres einen neuen Sonntagskrimi anzubieten, ist vor allem aus Etatgründen im Fernsehfilmbereich leider nicht möglich“, erklärt Lars Jacob von der ARD in München. Er verteidigt die Wiederholungen der „herausragenden ,Tatort‘-Folgen“.

Dazu zählen am heutigen Sonntag „Es ist böse“ aus Frankfurt mit Joachim Król und Nina Kunzendorf (Erstsendung April 2012) sowie am 7. Juli „Jagdzeit“ aus München mit Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl (Erstausstrahlung April 2011).

Das-Erste-Sprecher Jacob verweist darauf, dass es 2013 insgesamt 39 Erstausstrahlungen gebe. Im Vorjahr waren es 35 „Tatort“-Premieren, die Sommerpause hatte wegen Fußball-EM und Olympia sogar drei Monate gedauert.

Der nächste frische Fall kommt am 18. August mit der Folge „Geburtstagskind“ aus der Schweiz. Kommissar Reto Flückiger (Stefan Gubser) ermittelt dann wieder in Luzern.

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Und so haben wir den Tatort "Es ist böse" vom April 2012 damals in der "Tatort"-Blitzkritik besprochen:

Der Tatort lebt noch! Nach all den mittelmäßigen Versuchen aus Köln, Leipzig oder Wien, Spannung und Witz in einen intelligenten Sonntagabend-Krimi zu packen, bewegt sich der dritte Fall des Frankfurter Ermittler-Duos wieder auf höchstem Niveau.

Eine authentische Begebenheit, handfeste Ermittlungen, perfekt sitzende Dialoge und ein hinreißendes Paar - viel mehr geht nicht.

Getragen wird der beklemmend inszenierte 90-Minüter des Hessischen Rundfunks natürlich von den beiden Kommissaren Conny Mey (Nina Kunzendorf) und Frank Steier (Joachim Król).

Auf der einen Seite "das ehrgeizige Mädchen aus dem Mannheimer Prolo-Viertel" (Steier über Mey), das vor nix Angst hat, emotional von der Vergewaltungsserie aber sehr angegriffen wirkt. Diese an den Nerven zerrenden Grenzsituationen werden durch einen hartnäckigen Tinnitus, der auch im Ohr der Zuschauer brummpfeift, und hausgemachte Albträume noch verstärkt. Es lässt sich nur vermuten, dass Missbrauch oder häusliche Gewalt in Meys früherem Leben eine Rolle gespielt haben. Die sonst so selbstbewusste Cowboy-Lady wirkt zerbrechlich, zweifelt sogar an ihrem Selbstverständnis als Polizistin.

Soweit würde "der Kotzbrocken, der es sich in der zweiten Reihe gemütlich gemacht hat" (Mey über Steier), nicht gehen. In aller Ruhe beschäftigt sich der mundfaule Kommissar ohne Privatleben mit der Fallanalyse, abgeklärt, routiniert. Ein idealer Gegenpart mit einfühlsamen Momenten.

Dass das Frankfurter Zuhälter-Milieu doch arg klischeehaft gezeichnet wird - geschenkt. Dass die Ex-Freundin Rita Herfurth (Lisa Wagner) des Serientäters Holger Ritter (überzeugend: Marc Bischoff) eine weinig glaubwürdige Rolle ins Drehbuch geschrieben bekam - zu verzeihen. Und dass auch der zwielichtige Reporter Kurt Eggers (Martin Kiefer) sowie der Ex-Knacki Christian Rusnak (David Scheller) kaum als ernsthafte Verdächtige in Frage kommen - na und? Dafür besticht Uwe Bohm als Ex-Mann der ermordeten Prostituierten Ramona Förster. Brilliant, wie er den Spagat zwischen getriebenem Freier und liebendem Ehemann meistert.

Die stärkste Szene hat sich der Film für den Schluss aufgehoben: Betroffen und geschockt vom Geständnis des Täters, der seine Opfer mit tiefen Kehlkopfschnitten hingerichtet hat ("Da sitzt doch die Sprache"), sind Mey und Steier einfach nur sprachlos. Schweigend gehen sie einen spärlich beleuchteten Gang entlang, der länger und länger wird.

Christopher Steckkönig

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