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Tatort-Blitzkritik Düster und beklemmend
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09:40 14.05.2018
Eine Rezension von Christian Risch.
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Der Tod des jungen Mädchens Sonnhild gibt zunächst Rätsel auf. Warum lässt ihr Freund Torsten Schmid sie sterben, ohne einen Arzt zu Hilfe zu holen? Was bedeuten die Videos auf ihrem Handy? Was weiß die kleine Schwester Mechthild (prima gespielt von Janina Fautz)? Ermittler Friedemann Berg, im Nebenberuf Bauer, kennt den Vater der Familie, Volkmar Böttger (sehr gut: Nicki von Tempelhoff) war sein Schulfreund. Deshalb ignoriert der Kommissar zunächst die dubiosen Vorgänge auf dem „Sonnenhof“, wo vorbildlich alte Sorten angebaut werden und die Landwirtschaft nach altem deutschem Brauch betrieben wird. Das Erbgut sei „unverändert seit keltischer Zeit“, schwärmt Volkmar und rümpft die Nase darüber, dass Friedemann rumänische Erntehelfer beschäftigen will. Als stattdessen die ganze Familie singend und takräftig bei der Ernte anpackt, ist Friedemann Berg einfach dankbar - und auf dem rechten Auge vollends blind.

Somit ist Franziska Tobler mit ihrem Misstrauen und ihrer Ermittlungsarbeit zunächst allein. Sie hatte schon vorher begriffen, dass Sonnhild ermordet worden sein muss. Und endlich, bei der nächtlichen Beerdigung des Mädchens, fällt auch bei Friedemann der Groschen. Sein Schulfreund Volkmar entpuppt sich mit einer martialischen Blut-und-Boden-Rede über „Wohl und Erhaltung der Art“ als in der Wolle gefärbter Nazi, ebenso wie Torsten, wie sich herausstellt ein Mitglied der Heimatschutz-Staffel und noch dazu V-Mann des Staatsschutzes.

Die beiden so unterschiedlichen Kommissare raufen sich zusammen, ergänzen sich und gewinnen in ihrem zweiten Fall an Kontur. Tobler ist oft impulsiv und zupackend, etwa als sie der Amtsärztin auf die Pelle rückt, Berg wirkt zurückhaltend freundlich, kann aber auch klare Kante, wie beim Bruch mit Volkmar. Das Thema V-Leute ist hochaktuell, ebenso, dass hinter naturnaher Landwirtschaft rechtsextreme Ideologie stecken kann. Und auch dazu passt die Kulisse. Der deutsche Wald, einst von Romantikern unschuldig verehrt und verklärt, war später auch für die Nationalsozialisten ein „mythischer Ort“. Patrick Brunken (Buch) und Umut Dag (Regie) ist eine spannender „Tatort“ gelungen. Christian Risch

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