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Tatort-Blitzkritik Lustig statt spannend
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21:25 27.05.2018
Münster

Es ist mal wieder so, wie sehr häufig bei den Streifen aus Münster: Diese Tatorte wollen gar keine richtigen Krimis sein. Das Format dient nur als Kulisse für Gags, die mehr oder weniger gut zünden. Frank Thiel (Axel Prahl) und Professor Börne (Jan Josef Liefers) haben einen eingespielten Rhythmus wie ein altes Ehepaar. Und es ist durchaus eine Kunst der Tatortmacher, diese seltsame Stimmung zwischen Frotzelei, Zuneigung und zur Schau gestellter unterschiedlicher Lebenseinstellung den ganzen Abend durchzuhalten.

Dabei gibt es neben aller Blödelei sogar eine ernsthafte Frage, auf die der Film aufbaut: Was darf sich ein Mäzen eigentlich alles erlauben? Der Medienmogul und erklärte Gourmet mit ausgefallenem Geschmack Dr. Richard Stockmann (Robert Hunger-Bühler) unterstützt den Zoo, den Naturschutz und die Zoo-Doku aus Münster großzügig – und lässt doch reihenweise Tiere für sein Festmahlzeiten morden. Ist es in Ordnung, dass ein Tier stirbt, damit Tausende andere überleben? Tilgt der Einsatz für die große gute Idee die vergleichsweise kleine Sünde?

Für diesen Ansatz gibt es einen Pluspunkt – und weitere für wirklich gelungene Komik. Der aufgebahrte und mit grünem Tuch abgedeckte tote Pinguin neben der Menschenleiche in der Rechtsmedizin zum Beispiel ist so ein Szene, die nur durch sich selbst wirkt. Ebenso das Mit- und Gegeneinander von Thiel und seinem Vater. Der gutgelaunte Taxifahrer auf einem leichtgängigen Pedelec und Thiel, mühsam strampelnd auf seinem schwerbepackten Rad – ein amüsanter Ausstieg aus dem Film, der die geplante und zwischendurch verschobene Radtour als eine weitere Rahmenhandlung hatte.

Dem Blitzkritiker wäre ein Mindestmaß an Spannung allerdings trotzdem lieb. So bekommt die Darbietung des professionellen und beliebten Ensembles nur die Schulnote drei. Allerdings – solange die Quote des Münster-Krimis gleichbleibend hoch ist, wird sich an den Auftritten sicher wenig ändern. Schade eigentlich.

Nick Vogler

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