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Viele Gags, wenig Gänsehaut

Tatort-Blitzkritik Nr. 267: „Der kalte Fritte“ (Weimar) Viele Gags, wenig Gänsehaut

Doppelmord, Kunstfälschung, Puff, Bruderzwist, Profikiller, Explosion – es gab reichlich Zündstoff in diesem Weimar-Tatort. Doch man hatte Mühe, den Verwicklungen zu folgen. Dafür entpuppt sich das wortwitzige Polizeipersonal der Goethestadt immer mehr als Komiker-Truppe und macht den Münsteranern Konkurrenz.

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Weimar . Dabei ging’s ganz knackig los mit dem Profikiller, der sich ins Edel-Gemäuer des Milliardärs und Kunstsammlers Sassen schleicht, ihn nach allen Regeln seiner Kunst erledigt und dann selbst von der Witwe erlegt wird.  

Und danach beginnt schon der lustige Teil der Veranstaltung, denn Witwe Lollo (Ruby O. Fee) ist nicht die hellste Kerze auf der Torte, und es ist ganz amüsant, wie sie versucht, Milchkaffee zu machen (Milch ins Wasserfach der Kaffeemaschine), über ihre wenig lukrative, weil  kurze Ehe mault  (10 Euro pro Tag bekommt sie) und sich wieder im Puff verdingt, der in Weimar „Chez Chériechen“ heißt.

Der Aufklärung des Falls  allerdings kann man schwer folgen. Es geht um ein Goethe-Geologie-Museum,  aber was genau  Sassen damit zu tun hat,  was Puff-Besitzer Fritte mit Cleo und Martin verbindet, die alle auch verdächtig sind, erschließt sich zunächst  schwer. Als dann noch Architekturprofessor  Bock ins Spiel kommt, ist man ob der vielen Namen noch verwirrter.

Zumal Ulmen gerne den Schweiger macht und die Sätze vernuschelt.

Der Showdown in einem Steinbruch bei Weimar ist dann wie ein Western aufgezogen. Gelber Sand, grelle Sonne, Kommissar und Mörder Aug und Aug – High Noon in Weimar. Lessings Schockstarre, als seine Frau vermeintlich bei einer Explosion umgekommen ist, ist intensiv gespielt. Natürlich wissen wir, dass die Hauptfigur nicht umkommt. Aber ja vielleicht Fritte, der an ihrer Seite ist.

Der Titel lautet immerhin „Der kalte Fritte“. Aber er wird am Ende nicht kaltgestellt und man fragt sich, was der Titel soll, außer dass er in die skurrile Weimarer Titel-Gebung passt ( „Die fette Hoppe“,  „Der irre Iwan“ , "Der wüste Gobi").

Trotz dieser Ungereimtheiten macht es immer wieder Spaß, dem Ermittler- und Ehepaar Dorn/Lessing bei der Arbeit zuzusehen. Christian Ulmen spielt herrlich den intellektuellen Klugscheißer Lessing, der genussvoll Goethe zitiert. Schön schnoddrig gibt ihm Nora Tschirner als Kira Dorn Kontra in der Preislage „Am Abend lässt die Schwägerin den Schwager ins Gehege rin.“

Ihr immer etwas traurig wirkender Chef Kurt Stich (Thorsten Merten) hat diesmal seinen  Vater Udo zu Besuch,  angeblich ein Kunstkenner und sehr charmant gespielt von Hermann Beyer. Als Kira Dorn ihrem Chef beichten muss, dass sein Vater eigentlich ein Gauner ist, und wie Stich  danach noch trauriger guckt, das sind schon anrührende Momente.

Für Heiterkeit sorgt immer Kollege Lupo, der sich zur Observation vermeintlich sehr cool verkleidet hat und im Präsidium von allen angequatscht wird. „Hi Lupo“, „Hi Lupo. „Hi Lupo“.  

Schön absurd. Ein Krimi, der auf Rosenmontag einstimmt!

Petra Haase 

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