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Tatort-Blitzkritik „Wahre Lügen“: Wie einst im Fall Barschel
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21:42 13.01.2019
Günter Franzmeier (Werner Kreindl, li.) und die beiden Wiener Sonderermittler Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) werden zu einem rätselhaften Mordfall ins Salzkammergut gerufen. Im Wolfgangsee wurde eine weibliche Leiche gefunden. Erschossen und in einem Auto versenkt. Quelle: ARD Degeto/ORF/Cult Film/Petro D
Wien

 Da ist der alte Hans-Werner Kirchweger (Peter Matic, die deutsche Stimme von Ben Kingsley), der tief in der Vergangenheit lebt und von den Ermittlern so gern als Kollege angesehen werden möchte, aber nur kühl als Zeuge behandelt wird. Da ist Sibylle Wildering (Emily Cox), die Freundin der toten Journalistin, die so herzerweichend trauert und damit ihren Rachefeldzug kaschiert. Da ist der aalglatte Waffenhändler (David Weimann) mit dem Faible für junge Frauen. All diese Rollen sind stimmig gezeichnet und sehr gut gespielt.

Das gilt auch für das Stammteam: Adele Neuhauser alias Bibi Fellner brilliert wieder einmal als Polizistin mit Herz und Schnauze, der immer wieder ihre Trinksucht und ihre Leutseligkeit gefährlich werden. Harald Krassnitzer als Moritz Eisner wird offenbar vernünftiger: Als er abends in seiner Singlewohnung über dem Fall brütet, stürzt er nicht wie sonst Rotwein in sich hinein, sondern genehmigt sich Miles Davis auf Schallplatte. Das Angezicke mit seinem Chef „Ernstl“ Rauter (Hubert Kramar) macht einfach Spaß. Zu klischeebeladen sind nur die beiden vom Staatsschutz, die sich wie immer in dieser altbekannten Konstellation ebenso schneidig wie unsympathisch in die Ermittlungen einmischen.

Die Vorgeschichte um den toten Verteidigungsminister Lütgendorf erinnert an den Fall Uwe Barschel: Auch der damalige Ministerpräsident Schleswig-Holsteins soll in Waffengeschäfte und Geheimdienstaktionen verwickelt gewesen sein, auch bei ihm wurden die Zweifel daran, dass er sich das Leben genommen habe, nie ausgeräumt. Doch all die Spurensuche in der Vergangenheit, während der der alte Kirchweger noch auf ähnliche Weise wie Lütgendorf zu Tode kommt (Selbstmord? Mord?) führt in die Irre. Am Ende ist es ein klassisches Motiv der Beziehungstat: Die verlassene Freundin hat aus Eifersucht gemordet.

Eisners Tochter taucht diesmal nicht auf, macht aber nix. Hingegen vermissen wir Inkasso-Heinzi und den tapsigen Kollegen Schimpf. Die dürfen nächstes Mal gern wieder dabeisein. Ebenso der gigantische Touch-Bildschirm, auf dem Bibi die Fotos der Verdächtigen hin- und herswitcht: Das wirkt fast so, als würde ZDF-Experte Holger Stanislawski einen Spielzug bei der Fußball-WM erklären.

Lars Fetköter

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