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Ystad ist überall: Borowski und der brennende Mann

"Tatort"-Blitzkritik Ystad ist überall: Borowski und der brennende Mann

Ein Haus fängt Feuer, ein Mann verbrennt - und dem Kommissar wird ein wenig warm ums Herz. Trotzdem lag Schleswig-Holstein selten so kalt da, wie im neuesten Kieler Tatort. Grausame Bilder gepaart mit sinnlichen Gefühlen ergeben eine spannende Story mit stimmigen Charakteren. Nur der Ausstrahlungstermin stört ein wenig: Schnee wollen wir Mitte Mai eigentlich nicht mehr sehen.

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Es ist schon verblüffend. Wer einmal auf Paddeltour rund um Schleswig war, erkennt die Schlei-Region kaum wieder. Schöne, aber unwirtliche Aufnahmen. Fast scheint es so, als wäre Henning Mankells Krimi-Mittelpunkt Ystad an die deutsch-dänische Grenze verlegt worden.
Und auch der NDR-Kommissar wird seinem schwedischen Pendant immer ähnlicher. In "Borowski und der brennende Mann" wallandert er typisch skandinavisch durch den Fall - brummbärig, unsensibel, aber sehr verletzlich.Schauspieler Axel Milberg entwickelt seine Figuren gerne selbst mit, das ist ihm und Drehbuchautor Daniel Nocke selten besser gelungen.

Leidtragende ist Sibel Kekilli. Als Borowskis Kollegin Sarah Brandt fällt sie regelrecht ab. Da hilft auch kein Autounfall. Und schon gar keine an den Haaren herbeigezogene Diskussion über Vertrauen zwischen Beamten. Dafür drücken drei andere Darsteller dem Tatort ihren Stempel auf: Eine Johanna Gastdorf in Hochform mimt die leicht entrückte Täterin Anja Jürgensen, die ihr Kindheitstrauma nicht anders zu bewältigen weiß als mit drei Morden. Hans Peter Hallwachs gibt den zornig-resignierten Brandermittler Luth äußerst realistisch.

Und natürlich Lisa Werlinder: Frisch, frech, fröhlich und freizügig leistet die Südschleswiger Kommissarin Amtshilfe und stürzt Borowski von einer Verlegenheit in die nächste. Herrlich, so viel Gegenwind hat der Kauz von der Förde zuletzt von Frieda Jung bekommen. Und es scheint ihn noch nicht einmal zu stören, dass die hochmotivierte "Frau Einigsen" munter drauflos ermittelt und er ihrem jugendlichen Elan kaum folgen kann. Ganz nebenbei erklärt sie uns noch die deutsch-dänische Flüchtlingsproblematik nach dem Zweiten Weltkrieg.

Mehr davon, will man Regisseur Lars Kraume zurufen. Der kennt sich ja aus mit "Dream Teams", hat er doch das Frankfurter Duo Steier/Mey entwickelt. Kleiner Schönheitsfehler: Die dänische Kollegin spricht mit starkem Akzent - leider mit einem schwedischen. Kein Wunder, Lisa Werlinder ist in Uppsala geboren. Uppsala! Christopher Steckkönig

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