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21:12 21.02.2017
Von Tamara Vernik

Mitte zwanzig, gut erzogen und weiblich, das sind nicht unbedingt die Eigenschaften, die einem das Leben in einer chirurgischen Disziplin erleichtern. Ich arbeitete länger, kannte alle Patienten und war besser für die Operationen vorbereitet als mein männlicher PJ-Kollege. Ob diese Extraarbeit tatsächlich oder nur in meiner Einbildung nötig war, um die gleiche Anerkennung des Chefs und der vier männlichen Oberärzte zu bekommen, kann ich nicht mit Sicherheit sagen.

Meine Erfahrung in dieser Klinik fernab meines Heimat-Campus fand Bestätigung bei Gesprächen mit den nur vier Neurochirurginnen (ein Anteil von gerade mal 22 Prozent). „Bist du zu nett, wirst du schamlos ausgenutzt, hast du dir dagegen den rauen Umgangston hier zu eigen gemacht, bist du zu maskulin. Überlege dir gut, ob du die körperliche und seelische Belastbarkeit dafür hast.“

Als ich hier anfing, musste ich mich aufs Neue beweisen, bei all den unbekannten Gesichtern. Die Mehrheit war mir freundlich gesinnt. Und doch musste ich traurig feststellen, dass Kooperieren nicht durch einen freundlichen Ton gelingt. Lernen „Nein“ zu sagen, fällt schwer. Es dauerte seine Zeit, aber dann riss der Geduldsfaden. Ich sagte endlich „Nein“ zu Leuten, die Arbeit, für die sie sich zu gut sind, PJlern aufdrücken. Zum Glück war die Rate an solchen Menschen wie der Frauenanteil in der Neurochirurgie in der Minderheit.

An dieser Stelle bloggen regelmäßig Studierende über den Hochschul-Alltag. Die Autorin Tamara Vernik (24) studiert Medizin im zehnten Semester an der Universität zu Lübeck.

LN

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