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Gesundheit Strecken bis zur Schmerzgrenze
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03:41 14.03.2018
Nach einer Sehnenüberlastung legt Handballprofi Thees Glabisch (24) sechs Wochen Trainingspause ein. Physiotherapeut Christian Steen macht ihn wieder fit fürs Spielfeld.  Quelle: ULF-KERSTEN NEELSEN
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Bad Schwartau

Entspannen, sich richtig durchkneten, die Knochen wieder einrenken lassen. Mit einem Besuch beim Physiotherapeuten verbinden viele Menschen eine Wohltat. Langfristig hilft eine Therapie sehr. Doch der Weg dahin kann schmerzhaft sein, sagen die Zweitliga-Handballer.

Thees Glabisch liegt lang ausgestreckt auf einer Behandlungsliege und presst die Lippen aufeinander. „Jetzt drehen wir die Sehne am Ellenbogen volle Kanne auf“, sagt Physiotherapeut Christian Steen und klappt den Vorderarm des Handballers vom Körper weg. Dann drückt der 49-Jährige mit beiden Daumen fest auf die Innenseite des Armes, um die Muskulatur zu lockern. „Viele Leute denken, dass die Physiotherapie entspannend ist“, sagt Glabisch. „Zu 95 Prozent ist das aber purer Schmerz.“ Zwei, drei Tage nach der Behandlung merke Glabisch dann aber erste Effekte.

Nach der Operation wieder aufs Spielfeld

Thees Glabisch will so schnell wie möglich wieder aufs Spielfeld. Der 24-Jährige ist Leistungssportler. Um im 90-Grad-Winkel werfen zu können, überlastete der Linksaußen-Spieler über einen langen Zeitraum seinen Arm so sehr, dass er im Januar operiert werden musste. Es folgte eine sechswöchige Trainingspause, in der es ihn immer mehr „in den Fingern juckte“, sagt der Sportler. Jetzt soll er endlich wieder aufs Spielfeld. Physiotherapeut Steen hat Glabisch grünes Licht gegeben.

In fünfter Saison betreut Steen die Mannschaft. Zwei Mal die Woche können die 18 Spieler bei ihm und zwei weiteren Physiotherapeuten unangemeldet vorbeikommen. „Konditionell sind wir alle fit“, sagt Glabisch. Dafür trainierten die Spieler allerdings auch hart. „Acht Mal die Woche ist Standard“, sagt Glabisch. Da sei es kein Wunder, dass der ein oder andere ab und zu körperliche Probleme habe.

Dazu kommen mehrere Trainingslager und um die vierzig Spiele im Jahr. Auch da ist Physiotherapeut Steen dabei. Er begleitet die Mannschaft zu Spielen in ganz Deutschland. Seine Aufgabe: zwei Stunden vor Startpfiff die Muskeln der Spieler auflockern. Auch nach dem Spiel sei der erste Gang der Sportler zu Steen. Der checkt sie einmal gründlich ab. „Bei ernsthaften Problemen schicke ich die Jungs sofort zum Arzt.“ Als Physiotherapeut der Handballer sitze er dann auch schon mal zwanzig Stunden im Bus. Trotzdem mache ihm die Arbeit großen Spaß.

Detektivarbeit am Körper: Woher kommt der Schmerz?

Wer sich für eine Karriere als Handballer entscheide, beanspruche seinen Körper stark, sagt Steen. „Die Spieler werden immer größer, immer breiter und immer stärker.“ Da sei der Leistungsdruck enorm.

Als Physiotherapeut der Mannschaft hat Steen viel mit Prellungen, Zerrungen und umgeknickten Füßen zu tun.

Aber auch mit langwierigen Verletzungen wie beispielsweise einem Kreuzbandriss. Steen gibt seine Spieler nicht so schnell auf. Der ehemalige VfL Lübeck-Schwartau-Spieler Marten Franke etwa habe einmal so eine starke Verletzung gehabt, dass es seitens der Ärzte hieß: Das wird doch nie wieder was. Christian Steen habe jedoch an den Spieler geglaubt. Mit Erfolg: Heute ist Marten Franke Rechtsaußen-Spieler beim TV Emsdetten in der zweiten Liga.

Nach dem Training im Fitnessstudio der Asklepios-Klinik liegt auch Spieler Rickard Åkermann (26) auf einer Behandlungspritsche. Physiotherapeutin Anna-Julia Stamer knetet und streckt seine Beine, lockert die Muskeln. „Ich habe fast immer Schmerzen“, sagt Akermann. „Nach einem Spiel bin ich total kaputt.“ Immerhin: Nach einem Spieltag bekommt die Mannschaft einen Tag frei, um sich zu regenerieren.

„Wir helfen den Spielern mit therapeutischen Griffen, nicht mit Tabletten“, sagt Stamer. Die 26-Jährige unterstützt die Mannschaft seit einer Saison. „Ich schaue mir den Körper wie ein Detektiv an und finde heraus, woher der Schmerz genau kommt“, erklärt sie. Während die Trainer der Mannschaft oft Druck machten, kontrollierten die Physiotherapeuten in Absprache mit dem Arzt, was für die Spieler körperlich zumutbar ist.

 Von Saskia Bücker

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