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Kommentar Atomare Fehlinvestition
Mehr Meinung Kommentar Atomare Fehlinvestition
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23:21 26.10.2013
Von Rüdiger Wenzel

Das Geld regiert die Welt, nicht die Vernunft. Die Energiepolitik mancher Länder liefert mal wieder den Beweis. Während im japanischen Fukushima noch immer eine riesige Atomkatastrophe droht, sollen in Europa neue Kernkraftwerke gebaut werden. Vor allem die regierenden britischen Konservativen wollen damit den CO2-Ausstoß senken. Sie wollen den Teufel mit dem Beelzebub austreiben.

Selbst wenn die neuen Atommeiler nicht in Gebieten liegen sollen, die von Erdbeben oder Flutwellen bedroht sind; selbst wenn sie nach neuesten Sicherheitsstandards gebaut, die Bedienungsmannschaften bestens geschult und ständig trainiert werden: Auch in Großbritannien gibt es noch keine Antwort auf die Frage, wie der gefährliche Atommüll aus den verbrauchten Brennstäben und in 30 oder 40 Jahren die strahlenden Schuttberge der aus Altersgründen stillgelegten Atommeiler für hunderttausende Jahre sicher gelagert werden können. Und es darf nicht vergessen werden: Die Vorräte an Kernbrennstoff auf der Welt sind endlich.

Die britischen Vorhaben zeigen auch, wer das größte Interesse am Bau der neuen Kernkraftwerke hat: Finanzinvestoren, die sich eine sichere und stabile Rendite versprechen. Die Garantie gibt der Staat, bezahlen müssen die Verbraucher. So jedenfalls ist es geplant.

Die Kalkulation der Briten schlägt allerdings allen, die in der deutschen Energiewende-Diskussion auf Atomkraft setzen sollten, das Kostenargument aus der Hand. Sie zeigt: Atomstrom aus modernsten Meilern ist teurer als die kostspieligste Energie aus erneuerbaren Quellen, der Sonnenstrom aus Photovoltaik-Anlagen.

Atomstrom passt auch immer weniger in ein modernes Konzept einer nachhaltigen und sicheren Energieversorgung. Die baut stark auf die Nutzung von Sonne und Wind, muss also Lieferschwankungen ausgleichen können. Dafür jedoch sind Atomkraftwerke ungeeignet. Sie müssen mit konstanter Leistung laufen. Statt auf solche auch technologischen Saurier zu setzen, müssten die Milliarden-Investitionen in die Entwicklung von Technik und Anlagen zur Speicherung von überschüssigem Wind- und Sonnenstrom fließen.

LN

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