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Kommentar Aufbruch in Kiel: Der leise Start des Daniel Günther
Mehr Meinung Kommentar Aufbruch in Kiel: Der leise Start des Daniel Günther
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21:15 28.06.2017
Von Gerald Goetsch

Es war ein würdevoller Machtwechsel in Kiel. Keine große Inszenierung, keine übertriebene Show. Dafür Worte des Respekts für den Vorgänger, glaubwürdiges Lob für dessen Leistung. Daniel Günthers Wahl passt zum zurückhaltenden Stil jenes Mannes, der nun in der Staatskanzlei das Sagen hat. Mit Günther tritt kein jovial-polternder Landesvater wie Peter Harry Carstensen an. Und auch kein Alphatier wie Torsten Albig. Im Machtzentrum der Landespolitik agiert nun ein 43-jähriger mit verbindlichem Auftreten und jungenhaftem Charme, den offenbar viele in der Landespolitik lange unterschätzt haben.

„Zwei Abgeordnete der neuen Zweckgemeinschaft haben

Daniel Günther gestern ihre Stimme verweigert. Das ist ein Schönheitsfehler, mehr nicht.

In wenigen Jahren hat es Daniel Günther vom Geschäftsführer des CDU-Kreisverbandes Eckernförde zum Ministerpräsidenten gebracht. Er hat seine Partei aus der tiefen Krise geholt und zurück an die Macht gebracht. Günther steht inhaltlich für eine moderne CDU und hat die Chance, die ländlich-bodenständige Union Schleswig-Holsteins neu aufzustellen. Die Jamaika-Koalition mutet der Partei einiges zu, bietet aber nicht nur in Kiel eine neue Machtoption. Gelingt es Günther, die Fliehkräfte dieses Bündnisses zu bändigen, könnte aus dem Überraschungssieger vom Mai sogar ein Hoffnungsträger für die CDU im Bund werden. Die Verhandlungen der letzten Wochen haben Sollbruchstellen gezeigt. Aber auch den Pragmatismus der Beteiligten.

Auch wenn viele Grüne gestern noch mit der Wahl des CDU-Mannes fremdelten: Das klare Votum der Parteimitglieder hat die Realpolitiker Habeck und Heinold noch stärker gemacht. Die Risse im neuen Bündnis sind eher zwischen Grünen und Liberalen als im Verhältnis der Öko-Partei zur Günther-CDU zu erwarten.

Die spannendste Frage im Kieler Landtag wird die FDP beantworten: Wie geht es weiter, wenn Wolfgang Kubicki der Sprung in den Bundestag gelingt? Sind Heiner Garg und Bernd Buchholz in der Lage, das liberale Profil scharf zu halten und dennoch auf der Kompromisslinie zu bleiben? Explosive Themen liegen im Land zwischen den Meeren ausreichend vor: Die Cannabis-Freigabe, der Ausbau der Windkraft, der Konflikt zwischen Naturschützern und Autobahnplanern.

Zwei Abgeordnete der neuen Zweckgemeinschaft haben Daniel Günther gestern ihre Stimme verweigert. Das ist ein Schönheitsfehler, mehr nicht – so sehr sich das Oppositionschef Ralf Stegner auch wünschen mag. Tatsächlich haben sich die Sozialdemokraten selbst noch vor den eigenen Hausaufgaben gedrückt. Es reicht nicht aus, hinter dem Vorsitzenden die Reihen zu schließen. Die SPD muss raus aus dem Schmollwinkel und das Wahl-Desaster aufarbeiten.

LN

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