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Das hässliche Netz

Geschmackloses Video auf Facebook ruft Kritiker auf den Plan. Das hässliche Netz

So also sieht sie aus, die schöne, neue Welt? Mit ein paar Klicks rein ins Internet und dann hinaus strömen in die bitterböse Realität, hautnah ran an Bilder und Videos mitten aus dem Leben, und oft genug auch dem Sterben.

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Von Uwe Nesemann

Bilder vom Krieg, Bilder voller Gewalt und Erniedrigung — und wie gerade geschehen sogar Bilder eines offenbar geistig verwirrten Menschen, der splitternackt mitten in Berlin von einem Polizisten erschossen wird. Wer will, ist quasi überall live dabei.

Es ist ein böses Kapitel in der an Missverständnissen ohnehin reichen Geschichte von der vermeintlichen Freiheit des Netzes. Wenigstens macht sich in dem Fall aus Berlin Unbehagen breit, und mancherorts mischt sich spürbar auch eine gehörige Portion Wut mit hinein. Dieses Video hätte sofort gelöscht werden müssen, heißt es. Der gesunde Menschenverstand würde gerne ergänzen: Es hätte erst gar nicht ins Netz gestellt werden dürfen.

Der Verdacht, dass etwas aus dem Ruder läuft, ist nicht neu. Das Internet, vielfach als segensreich beschrieben, hat seine Schattenseiten. Es krempelt unser Leben um, aber wie es aussieht, tut es dies in einem Tempo, bei dem Recht und Moral nicht immer Schritt halten können. Auch die deftige Kritik an Facebook, das Video nicht sofort gesperrt zu haben, offenbart ja nur, wie hilflos wir letztlich solchen Auswüchsen des world wide web gegenüberstehen. Es fehlt schlicht an Handhabe — gegen jene, die solche unsäglichen Bilder verbreiten, und erst recht gegen die, die sie sich ansehen.

Bleibt also nur der erhobene Zeigefinger und das lautstark geäußerte Unverständnis. Viel ist das nicht.

Zumindest erwähnt sei aber noch ein eher philosophischer Ansatz. Folgt man dem Gedanken, dass der Mensch im Laufe seiner Entwicklung immer klüger wird und damit die Welt immer besser, müssen uns Zweifel kommen. Zitiert sei an dieser Stelle der italienische Autor Giovannino Guareschi, der in einem seiner Romane die Jesusfigur zu dem über Ungerechtigkeiten jammernden Priester sagen lässt: „Die Welt ist noch nicht fertig, Don Camillo.“ Das war zwar lange vor dem Internet, würde aber einiges erklären.

LN

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