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Dem Skandalbischof sei Dank

Die Diskussion um Tebartz-van Elst ist für die Kirche heilsam. Dem Skandalbischof sei Dank

Nun ist Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst auf unbestimmte Zeit von seinem Amt suspendiert, und es wäre an der Zeit, dem Mann für vieles, was er in seiner Kirche und darüber hinaus ausgelöst hat, ...

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Von Michael Berger

Nun ist Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst auf unbestimmte Zeit von seinem Amt suspendiert, und es wäre an der Zeit, dem Mann für vieles, was er in seiner Kirche und darüber hinaus ausgelöst hat, zu danken. Denn die Diskussion um Verschwendung, Vermögen und Aufgaben der Institution könnte eine heilsame Funktion haben. Dann, wenn sich die Wortmeldungen von der Figur des Limburger Bischofs lösen und die grundsätzlichen Probleme angesprochen werden.

Zum Beispiel die unhaltbare Tatsache, dass kirchliche Krankenhäuser, Altenheime und Kindergärten vom Staat bezahlt werden, dort aber das katholische Arbeitsrecht gilt; oder dass Bischöfe (auch evangelische) und andere Würdenträger aus Steuermitteln bezahlt werden. Ein Erzbischof (Besoldungsgruppe B 11) etwa hat ein Brutto-Monatseinkommen von 12 000 Euro. Das ist so wenig zeitgemäß

wie der Umstand, dass ein Gesetz aus napoleonischer Zeit Bund und Länder bis heute verpflichtet, jährlich eine halbe Milliarde Euro an die Kirchen zu zahlen — weil 1803 kirchliche Latifundien den weltlichen Landesherren zugeschlagen wurden.

Es genügt, dass Schüler im Geschichtsunterricht mit dem Wortungetüm „Reichsdeputationshauptschlusses“ traktiert werden. Der Begriff sollte eigentlich für die Trennung von Staat und Kirche stehen, in Wahrheit wurden damit die Alimentierung der Glaubensgemeinschaften auf alle Zeit festgeschrieben. Dass die Katholiken als arme Kirchenmäuse aus einer konsequenten Trennung hervorgingen, ist nicht zu erwarten: Im Sog des Skandals um den Limburger Bischof wurde zum Beispiel bekannt, dass allein das Erzbistum Hamburg, das auch Schleswig- Holstein und Mecklenburg umfasst, ein Vermögen von 200 Millionen Euro besitzt.

Eine Veränderung in der Nomenklatur der deutschen Katholiken darf schon jetzt als sicher gelten: Tebartz-van Elst wird, nach allem, was er losgetreten hat und was über ihn hereingebrochen ist, seine Leitungsfunktion nie wieder ausüben können. In seine schmucke, postmodern ausgestattete Residenz wird ein anderer einziehen. Diese Pointe entbehrt nicht einer gewissen Tragik. Bericht

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LN

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