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Kommentar Den Makler zahlt, wer ihn bestellt
Mehr Meinung Kommentar Den Makler zahlt, wer ihn bestellt
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23:21 20.03.2014
Von Frank Lindscheid

Wer in einer Großstadt schon einmal von einem Makler in einer Schlange von Interessenten durch einen Altbau geschleust worden ist, kennt das Problem aus persönlicher Erfahrung: Vor allem in den begehrten Lagen von Ballungszentren werden Wohnungen immer knapper und damit teurer. Innerhalb weniger Jahre sind die Mieten zum Beispiel in den Innenstädten von München oder Hamburg drastisch nach oben geschnellt. Die Politik ist unter Handlungsdruck. Bereits im Bundestagswahlkampf entdeckten die Parteien das Problem. Die SPD hatte sich das Thema auf die Fahnen geschrieben, weil es vielen Menschen auf den Nägeln brennt. Später sprang auch Kanzlerin Merkel auf den Zug.

Nicht einmal hundert Tage nach Koalitionsstart legt also der Justizminister seinen Gesetzentwurf zur sogenannten Mietpreisbremse auf den Tisch. Das klingt gut — und einiges wird viel Applaus herausfordern. Das „Bestellerprinzip“ — der Makler wird künftig von dem bezahlt, der ihn beauftragt — ist eine vernünftige Maßnahme gegen Auswüchse in der Branche und gegen einseitige Belastung von Wohnungssuchenden.

In gefragten Innenstadtlagen von Metropolen können Normalverdiener oder Familien die Preise zum Teil kaum noch bezahlen, das gilt kaum für das Land und auch nicht für viele Randlagen. Es geht also um Brennpunkte. In „angespannten Wohnungsmärkten“ sind Steigerungen bei Neuvermietung von bis zu 30 Prozent keine Ausnahme mehr. Gezielt eingesetzt, kann eine Mietbremse eine dämpfende Wirkung entfalten. Doch gegen den Wohnungsmangel in manchen Städten gibt es kein gesetzlich verordnetes Patentrezept.

Am Kern des Problems ändert der Gesetzentwurf aus dem Hause Maas nichts: In Ballungsgebieten wird zu wenig günstiger Wohnraum gebaut. Die öffentlichen Investitionen sind ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage ist so nicht zu schließen, zumal immer mehr Menschen eine Single-Wohnung suchen. Man wird sehen müssen, wie sich die Mietpreisbremse auswirkt. Hemmt sie am Ende gar Investitionen, muss das Instrument auf den Prüfstand.

LN

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