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Der ratlose Riese

China zerreibt sich zwischen Reformern und alter Garde. Der ratlose Riese

Chinas Börsenabstürze und die Abwertung seiner Währung sind gravierend für die Weltkonjunktur. Doch es gibt etwas für den Rest der Welt noch Gefährlicheres: Chinas politische Ratlosigkeit.

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Von Felix Lee

Chinas Börsenabstürze und die Abwertung seiner Währung sind gravierend für die Weltkonjunktur. Doch es gibt etwas für den Rest der Welt noch Gefährlicheres: Chinas politische Ratlosigkeit.

Seit Wochen schon spielen sich immer neue Dramen ab in der Volksrepublik. Innerhalb von drei Tagen verlor der Yuan mehr als vier Prozent. Das löste weltweit Aufregung aus. Aktienmärkte spielen verrückt. Hinzu kamen die Explosionen im ostchinesischen Tianjin. Statt Tatkraft zu zeigen, setzt die Obrigkeit auf alte Mittel wie Vertuschung und Zensur.

Die Vorgänge haben nichts miteinander zu tun, zeigen aber in die gleiche Richtung: Die Großmacht China hat ihre Probleme nicht mehr im Griff. Chinas Wirtschaft wird nach wie vor von großen Staatsunternehmen dominiert. Sie sind ineffizient, weil sie kaum Wettbewerb kennen. Geraten sie in Schieflage, werden die Verluste vom Staat aufgefangen. Das reißt immer größere Löcher in den Staatshaushalt. Doch die Lobby der großen Staatsfirmen ist stark.

Der liberale Flügel um Premierminister Li Keqiang wollte mit diesen Staatsunternehmen aufräumen. Er zwang sie vor einem Jahr zum Börsengang. Sie sollten sich auf diese Weise stärker auf den Märkten behaupten müssen. Parallel dazu ließ er die Geldschleusen öffnen und ermutigte damit die Bürger, an den heimischen Börsen zu investieren. Li hoffte, mit einer Liberalisierung der Aktienmärkte könnte er nicht nur die Staatsunternehmen bändigen, sondern auch die schwächelnde Wirtschaft beleben.

Doch diese Pläne sind an den Börsen krachend gescheitert. Damit die Kurse nicht noch weiter abrutschten, sah sich die Staatsführung gezwungen, Stützungskäufe anzuweisen. Das Vertrauen der Bevölkerung hat die Regierung damit aber verspielt.

Die politischen Hardliner wittern jetzt Morgenluft. Sie wollen an einer mächtigen Staatswirtschaft festhalten — und Li Keqiangs wirtschaftliche und politische Reformen bekämpfen. Allerdings haben auch sie keine Lösungen parat. Diese rundum mangelnde Reformbereitschaft stellt derzeit die größte Gefahr dar: für China und für die Welt.

LN

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