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Kommentar Die Macht der Bilder
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22:25 11.11.2013

Etwa 340 Menschen starben, als im Februar 1962 eine Sturmflut die deutsche Nordseeküste und Hamburg verwüstete. Es gab zahlreiche Verletzte, Zehntausende verloren ihr Zuhause. Die Katastrophe hat sich tief ins öffentliche Bewusstsein eingesenkt, es ist für viele ein Trauma bis heute.

Auf den Philippinen sind nach UN-Angaben neuneinhalb Millionen Menschen Opfer des Taifuns Haiyan geworden. Allein auf der Insel Leyte soll es mehr als zehntausend Tote geben — eine Stadt von der Größe Rothenburgs ob der Tauber, einfach ausgelöscht, einfach weg.

Vermutlich war die deutsche Sturmflut vor mehr als fünfzig Jahren kein Ereignis auf den Philippinen. Der Taifun ist es für uns heute schon. Er beherrscht die Nachrichten, er sorgt für weltweites Entsetzen. Das liegt an den Medien, an der globalen Vernetzung, und das ist gut so. Die Welt wird kleiner durch moderne Technologie. Selbst fragwürdige Errungenschaften wie Twitter können bei Katastrophen wie diesen ein Segen sein. Wo Goethe die Völker noch „hinten, weit in der Türkei“ und damit im toten Winkel des Abendlandes aufeinander schlagen ließ, gibt es heute Bilder und Berichte aus allen Winkeln der Erde in Farbe und in Echtzeit. Wir sind dabei, und wenn wir nicht dabei sind, findet manches leider auch nicht statt.

Katastrophen brauchen Öffentlichkeit, sonst fließen keine Spenden. Als Erdbeben vor drei Jahren Pakistan und Haiti verheerten und die Medien berichteten, spendeten die Deutschen 400 Millionen Euro mehr als sonst im Jahr. Und es müssen Bilder sein, bewegte am besten, sie sind mächtiger als es das genaueste Zahlenwerk über die furchtbarsten Zustände je sein könnte.

Man kann das kritisieren. Man kann auch sagen, man sollte vorher spenden, um die Häuser in Erdbebenregionen stabiler zu bauen oder die Deiche in den Flutgebieten von Bangladesh zu erhöhen. Aber das ist ebenso richtig wie billig. Etwa jeder vierte erwachsene Deutsche spendet (vor zwei Jahren waren es sechs Milliarden Euro). Das sind weniger als in Skandinavien oder in den USA, aber immerhin: Sie tun es. Und Mitleid ist ein Argument. Berichte Seite 3

LN

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