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Kommentar Die Mission Löw
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22:27 18.10.2013

Es gibt einiges, was man bei einem großen Turnier nicht gebrauchen kann, Aufregung in der Mannschaft gehört dazu. Insofern hat der Deutsche Fußball-Bund gestern einen möglichen Unruheherd ausgeschaltet. Die Vertragsverlängerung mit dem Team um seinen wichtigsten Angestellten Joachim Löw ein Dreivierteljahr vor der Weltmeisterschaft in Brasilien kann DFB-Präsident Wolfgang Niersbach als einen Etappensieg verbuchen. Zumal wenn man das Vertragsgezerre zwischen Löw und Niersbachs Vorgänger Theo Zwanziger vor der WM in Südafrika noch im Gedächtnis hat.

Es herrschte ein wildes Kommen und Gehen, wollte man jeden Trainer ohne Titel aus dem Amt jagen. Das wird zwar von einigen Vereinen und Verbänden so praktiziert, und es gibt ja auch regen Betrieb auf dem Übungsleitermarkt. Aber Löw weiß selbst nur zu gut, dass sein jetzt bis 2016 laufender Vertrag schnell zu einem Muster ohne Wert werden kann. Sollte die Mission Brasilien im Schlamm der Vorrunde stecken bleiben, wäre auch die Mission Löw zu Ende.

Das hat man schon einmal erlebt, 2004 war das, als Verlegenheits-Bundestrainer Rudi Völler nach der EM-Pleite in Portugal seinen Hut nehmen musste. Was folgte war ein recht radikaler Bruch im deutschen Fußball, der mit der Verpflichtung Jürgen Klinsmanns begann und seine Fortsetzung in der Arbeit Joachim Löws fand. Einer Arbeit, die er jetzt seit sieben Jahren auch als offiziell Verantwortlicher macht und die alle Anerkennung gefunden hat, nur noch eben keinen Ausdruck in einem Titel.

Es ist ja nicht wahr, dass Löw nur die Generation Lahm und Schweinsteiger im Amt begleitet hätte. Er hat jetzt auch eine neue Generation um Götze und Schürrle auf den Weg gebracht, und er lässt sie allesamt einen Fußball spielen, der längst weltweit höchsten Respekt genießt. Natürlich hat der deutsche Fußball entgegen der Legende auch vorher nicht nur aus Kampf und Kraft bestanden, aber dieser elegante Hochgeschwindigkeitssport, den die Nationalelf zu zeigen in der Lage ist, trägt einen Löw‘schen Prägestempel. Eines jedenfalls ist sicher: Ein Nachfolger stünde in großen Schuhen, sollte Löw 2014 zurücktreten — ohne Titel oder mit. Seite 18

LN

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