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Genuss durch Überfluss

Der Wert von Musik und Festivals bemisst sich nicht nach Euros. Genuss durch Überfluss

Die Länder Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern mögen, was ihre öffentlichen Haushalte betrifft, arm sein, aber sie sind reich an Kultur.

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Von Michael Berger

Die Länder Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern mögen, was ihre öffentlichen Haushalte betrifft, arm sein, aber sie sind reich an Kultur. Das zeigt sich jetzt wieder, wenn Festivals und andere Musikereignisse in Stadt und Land auch Menschen aus anderen Regionen anziehen und für die kulturelle Zusatzversorgung der Eingeborenen sorgen.

Da treffen sich Hochkultur, Pop und Krach. Star-Huldigung, Gemeinsinn und Kommerz führen eine friedliche Koexistenz. Allein das heute beginnende Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) erwartet in den kommenden Wochen 100 000 Besucher. Sie eint mit dem Publikum des Heavy-Metal-Festivals von Wacken und den Gästen der Travemünder Pop-Partys von diesem Wochenende: Alle wollen das Außergewöhnliche, Musik, die nicht aus dem iPod kommt, die nicht synthetisch aufgemotzt, sondern vor aller Augen fabriziert wird. Kurz: Alle erwarten ein Fest — und Fest heißt Überfülle, Verschwendung, Rituale, Überraschungen. Das Publikum bildet eine Gemeinschaft auf Zeit, die sich auf eine Sache konzentriert — die Töne, die in diesem Moment erklingen.

Das alles sind Selbstverständlichkeiten, jeder Mensch kann den Profit, den die Seele aus dem Fest zieht, nachvollziehen. Und doch werden diese erhabenen Erlebnisse begleitet und in nüchternen Momenten überlagert von einer schnöden Angst: der ums Geld. Können wir uns die aufwendige Feierkultur und ihr künstlerisches Personal überhaupt leisten? Ist das nicht Vergeudung von Rundfunkgebühren, wenn öffentlich-rechtliche Sender den jungen Leuten an der Ostsee Konzerte mit ihren Stars schenken? Sollen sich Länder, die wie Schleswig-Holstein eine Pro-Kopf-Verschuldung von 1133 Euro aufweisen, nicht aus der Finanzierung von Jazz Baltica und SHMF heraushalten?

Verschwendung ist ökonomisch nicht rational, man könnte sogar sagen: antikapitalistisch. Doch erstens bringt die ganze Kultur Leben in die Bude, dazu zweitens Umsatz und Steuermittel in die Kassen.

Am wichtigsten aber sind der Genuss und die Anregung der Sinne. Beides ist nicht in Euro zu bemessen aber, wenn man so will, ein Menschenrecht. Seiten 1, 6 und 18

LN

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