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Habecks Risiko zahlt sich auch für die Grünen aus

Leitartikel Habecks Risiko zahlt sich auch für die Grünen aus

Er hat hoch gepokert, schon zum zweiten Mal. Vor einem Jahr riskierte Robert Habeck seine einflussreiche Rolle in Kiel und sein Ministeramt, um als Grünen-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl anzutreten. Von der knappen Niederlage hat er sich erholt – und über seine maßgebliche Rolle bei der Bildung der Jamaika-Koalition in Schleswig-Holstein seine Macht sogar vergrößert.

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Die hat er nun wieder aufs Spiel gesetzt – und noch mehr Einfluss gewonnen. Er hat bewirkt, dass die Grünen zwei alte Zöpfe abschneiden: Mit der Wahl von Annalena Baerbock und Habeck lässt die Doppelspitzenpartei erstmals zu, dass niemand vom ausgewiesen linken Flügel den Vorsitz hat. Und sie lockert die anachronistische Trennung von Amt und Mandat, weil sie sonst den von vielen ersehnten Robert nicht bekommen hätte. Dessen Erpressungsversuch ist geglückt.

Am Freitagabend drohten sich die Grünen noch mit einem Auszählchaos bei der Satzungsdebatte zu blamieren. Doch einen Tag später stellen sie die Weichen für die nächsten Jahre und weisen ein Führungspersonal vor, mit dem sie die anderen Parteien vor sich hertreiben können. Die haben fast alle ungelöste Leitungsprobleme zu bewältigen: Die SPD hat einen bereits nach einem Jahr abgehalftert wirkenden Chef Martin Schulz, der seine Partei nicht begeistert, sondern nervt. Ob er als GroKo-Minister wortbrüchig wird, als Nur-Parteichef weiter an Macht verliert oder in den Koalitionsverhandlungen an der Basis scheitert: Schulz kann in dem selbsterzeugten Dilemma nur verlieren und ist SPD-Vorsitzender, weil keiner da ist, der ihn stürzen kann und will.

Angela Merkel hat noch die eine Chance, eine Große Koalition anzuführen, aber Akzente für eine zukunftsfähige Union gehen von ihr nicht mehr aus. Mit der CSU sieht es ähnlich aus: Horst Seehofer ist längst eine „lame duck“ und hofft auf ein Gnadenbrot als Minister in Berlin. Linke und AfD fallen mehr durch Streitereien im Führungspersonal auf als durch politische Impulse. Und die FDP? Klar, die hat mit Christian Lindner immerhin einen starken Vorsitzenden, lässt aber im Gegensatz zu den neuen Grünen-Chefs den klaren Willen zur Gestaltung vermissen.

Der verwuschelte Talkshow-Liebling Habeck, der so angenehm floskelfrei spricht, muss nun beweisen, dass er die Grünen nicht nur lässiger führt als seine Vorgänger, sondern sie auch inhaltlich inspiriert, erneuert und für neue Wähler attraktiv macht. Das wird ihm, der bald keiner Regierung und keinem Parlament angehört, nur gemeinsam mit Baerbock gelingen. Schon die ersten Impulse des neuen Duos wirken forscher und mitreißender als die stets nach Zwangsheirat aussehenden Auftritte der blassen Simone Peter und des theatralischen Cem Özdemir. Für Schleswig-Holstein ist Habecks Wechsel ein Verlust, für Deutschland ein Gewinn.

Ein Kommentar von Lars Fetköter

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