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Kommentar Hamburg scheitert als friedlicher Gipfelstandort
Mehr Meinung Kommentar Hamburg scheitert als friedlicher Gipfelstandort
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19:55 08.07.2017
Ein Kommentar von Lars Fetköter.
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Die Mächtigen der Welt zu Gast in meiner Heimatstadt: Seit Wochen habe ich zu Hause am Familientisch die Entscheidung verteidigt, den G-20-Gipfel im Stadtzentrum von Hamburg abzuhalten. Nicht auf Helgoland, Spitzbergen oder Sansibar, und nicht auf einem Kreuzfahrtschiff oder einem Flugzeugträger, sondern mitten in der stolzen Hansestadt, die der ganzen Welt damit zeigen kann, was ihr bei Olympia 2024 ja verwehrt bleibt: wie freundlich, friedlich und weltoffen sie ist.

Hamburg als Gipfelstandort – in der Nacht zum Sonnabend sind mir dafür die Argumente ausgegangen. Diese Stadt wird sich vielen als der Ort ins Gedächtnis gebrannt haben, in der Steine und Gehwegplatten fliegen, in der Schaufenster zertrümmert, Läden geplündert und ganze Stadtteile ungehindert auf den Kopf gestellt werden.

Schwarz verhüllte Gestalten ziehen durch Wohnstraßen und stecken offenbar wahllos und mit großer Ruhe Autos wildfremder Anwohner in Brand. Sie tun das augenscheinlich mit großer Lässigkeit, so zeigen es diverse Videos, die Anwohner vom Balkon oder Fahrgäste durchs Busfenster aufgenommen haben – mutmaßlich voller Sorge, dass der Bus nächstes Ziel der Gewalt ist. Diese Lässigkeit widerlegt all jene, die die Aggressionen mit einem überharten Polizeieinsatz zu relativieren suchen. Die Polizei hat offensichtlich taktische Fehler begangen, aber verantwortlich für den Raubzug durch Hamburgs Viertel sind eben jene durch dunkle Kapuzen vermummten Figuren, die sich außerhalb der politischen Diskussion stellen. Sie begehen einfach nur Verbrechen.

Wir richten ja auch jährlich den Hafengeburtstag aus, hat Olaf Scholz Kritikern des Großstadtgipfels entgegnet. Der Satz fällt dem Bürgermeister jetzt vor die Füße: Seine Sicherheitsbehörden und er haben offensichtlich die Lage völlig falsch eingeschätzt. Sie haben die Mächtigen der Welt bewacht und waren machtlos, als vagabundierende Horden die Kontrolle über Teile des Schanzenviertels übernahmen.

Der G-20-Gipfel hat auch positive Bilder geschaffen: Das Lächeln von Hadrien (3), dem Sohn des kanadischen Premiers, lässt weltweit Herzen schmelzen. Die Ehepaare Trump und Macron kommen sich bei Beethoven-Klängen in der Elbphilharmonie näher. Viele der klug und bunt in Szene gesetzten Protestaktionen hatten ihre Bühne. All das wird überrollt von den Bildern der Hamburger Gewaltexzesse.

Der Aufwand, Gipfelgeschehen und Delegationen zu schützen, war so groß, dass tausende Polizisten in den norddeutschen Bundesländern seit Tagen an der Belastungsgrenze arbeiten. Wenn nun als Folgerung aus den Krawallen noch mehr Polizeischutz verlangt wird, dann kann die Konsequenz nur lauten: kein Gipfel mitten in einer Großstadt.

Ein Kommentar von Lars Fetköter

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