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Kommentar INTERNATIONALE PRESSESTIMMEN
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20:10 22.06.2013

ne „finest hour“. Eine Aufzählung braver Vorhaben und guter Absichten — vorgetragen mit mehr Transpiration als Inspiration. Keine Rede, die noch lange nachklingen wird, so wie jene mit den berühmten Sätzen von Kennedy und Reagan am selben Ort. Jedoch sagt das Wehklagen mancher Kommentatoren über Obamas enttäuschendes Auftreten und über Versprechen, die er nicht einlöst, vor allem etwas über deren eigene überspannte Erwartungen. Obama ist zwar unbestreitbar ein Mann mit besonderen Qualitäten, aber er ist kein Heiland.“

Dernières Nouvelles d'Alsace (Straßburg, Frankreich): „Die Gefahr liegt nicht mehr in der Anhäufung von Nuklearsprengköpfen, von (Kampf-)Flugzeugen und Panzern. Sie liegt in unserer Art uns zu ernähren, zu reisen, uns anzuziehen, zu wohnen, zu heizen. Dass ein US-Präsident im Herzen des alten Europa den Kreuzzug gegen die Klimaerwärmung predigt, ist sicherlich ein Zeichen. Vielleicht werden sich die USA, die das Kyoto-Protokoll nicht unterzeichnet haben, den Staaten annähern, die in diesem ökologischen, weltweiten Krieg vorsichtig verbündet sind.“

La Charente Libre (Angoulême, Frankreich): „Wo ist denn nur dieser strahlende Barack Obama geblieben, dieser Präsident, für den alles möglich schien? Diese Frage stellte sich mehr denn je anlässlich seiner Rede in Berlin, die als ,historisch‘ angekündigt worden war. Obama sprach vor dem Brandenburger Tor — da wo vor einem halben Jahrhundert John Kennedy mitten im Kalten Krieg seinen berühmten Satz ,Ich bin ein Berliner‘ ausgesprochen hatte. Und Obama litt unter dem Vergleich mit seinem berühmten Vorgänger. Er war sogar in der Defensive, als er versuchte, das amerikanische Spähprogramm ,Prism‘ — das den Deutschen und dem Rest der Welt missfällt — als Maßnahme gegen den Terrorismus zu verteidigen.“

Corriere della Sera (Rom, Italien): „Es gibt einen roten Faden in den Reden von Kennedy, Reagan und Obama vor dem Brandenburger Tor. Die Zuschauertribüne ist Berlin (ist auch Deutschland und Europa), der Ansprechpartner sitzt jedoch in Moskau. Obama ist gekommen, um die Ernte seiner Vorgänger einzusammeln. Er versucht dabei, die Friedensdividende mit nach Hause zu nehmen, und er lädt Wladimir Putin ein, die atomaren Arsenale zu verringern. Er will so Ressourcen freimachen, um sie für Dinge zu verwenden, die ihm am Herzen liegen, für den Wiederaufbau Amerikas.“

Politiken (Kopenhagen, Dänemark): „In diesen schwierigen Gewässern war es richtig, dass Obama gestern die historische Kulisse am Brandenburger Tor eingesetzt hat (und den 50. Jahrestag der legendären Rede von Präsident Kennedy am selben Ort), um das historische, kulturelle und wertemäßige Band zwischen Europa und den Vereinigten Staaten zu bekräftigen. Das Versprechen, die Lagerbestände der US-Atomwaffen um ein Drittel zu reduzieren, Guantanamo zu schließen und gegen den Klimawandel zu kämpfen, signalisiert, dass Obama diese wichtigen Themen immer noch auf die Tagesordnung setzen will. Aber das Fehlen einer konkreten Politik zeigt auch, dass es viel zu tun gibt. Europa kann nicht darauf zählen, dass Obama allein die Probleme der Welt lösen wird.

Wir müssen selbst damit anfangen.“

LN

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