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INTERNATIONALE PRESSESTIMMEN

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„Die europäischen Demokratien sollten nicht glauben, dass ein Ozean sie vor zornigen Protesten wie denen in Brasilien schützt. Sie sollten sich im Gegenteil die manchmal konfusen Forderungen der Demonstranten in Rio de Janeiro, Brasília oder São Paulo genau anhören.

Sie sollten sich im Gegenteil die manchmal konfusen Forderungen der Demonstranten in Rio de Janeiro, Brasília oder São Paulo genau anhören. Denn diese drücken vor allem den Zorn einer Jugend aus, die von der Krise traumatisiert ist, Angst vor der Zukunft hat, die ernüchtert ist und keinerlei Vertrauen in die Politik hat.“

 

Le Figaro (Paris, Frankreich): „Wie in der Türkei (...) hat sich der Protest in Brasilien an einer anscheinend harmlosen Angelegenheit entzündet. Er hat alle überrascht und ist der Ausdruck einer tiefgreifenden sozialen Unzufriedenheit, auf welche die politischen Institutionen offenbar keine Antwort haben. Diese plötzlichen Fieberwallungen ereignen sich in Ländern, die in den vergangenen Jahren einen nicht zu leugnenden wirtschaftlichen Fortschritt erlebt haben. Sie sind spontan und brechen außerhalb der klassischen Kanäle für soziale Forderungen auf. Kein Gewerkschaftsführer, keine Institution kontrolliert die Forderungen. Sie sind dadurch umso schwerer einzuschätzen und zu befriedigen. Mit der Globalisierung ändern sich die Gesellschaften viel schneller als die politischen Institutionen, die eigentlich Schritt halten sollten.“

Neue Zürcher Zeitung (Zürich, Schweiz): „(Brasilines Staatschefin) Dilma Rousseff steht vor einer großen Herausforderung: Dass sie den Demonstranten das Gespräch anbietet, ist richtig, aber einfach. Etwas ganz anderes ist es, deren Anliegen auch umzusetzen. Das Steuer wird Rousseff auch darum nicht so leicht herumreißen können, weil sich ihre Sozialdemokraten in zehn Jahren an der Macht bequem eingerichtet haben. Die Arbeiterpartei muss erst noch lernen, dass eine gewachsene und selbstbewusste Mittelschicht ihr auf die Finger schaut und jetzt, wo das brasilianische Wirtschaftswunder verblasst, überzogene Ausgaben für Olympische Spiele und die Fußball-WM erst recht nicht einfach hinnimmt.“

La Repubblica (Rom, Italien): „Am Anfang war Tunesien, dann Chile und die Türkei. Und jetzt Brasilien. Was haben die Straßenproteste in so unterschiedlichen Ländern gemeinsam? Verschiedene Dinge, die alle überraschend sind. 1. Kleine Zwischenfälle, die groß geworden sind. In allen Fällen sind die Proteste von lokalen Ereignissen ausgegangen, die sich unerwartet in eine nationale Bewegung verwandelt haben. 2. Die Regierungen reagieren falsch. 3. Die Proteste haben weder einen Anführer noch eine Befehlslinie. 4. Es gibt niemanden, mit dem man verhandeln oder den man einsperren könnte. 5. Es ist unmöglich, die Konsequenzen der Proteste vorherzusagen. 6. Wohlstand bedeutet nicht gleich Stabilität. Die größte Überraschung dieser Proteste ist, dass sie in erfolgreichen Ländern passieren, zumindest aus ökonomischer Sicht.“

La Croix (Paris, Frankreich): „Mit ihren Demonstrationen zeigen die Brasilianer, dass sie gehört werden wollen. Wie in der Türkei in den letzten Wochen und wie regelmäßig in China oder Indien, empören sich die Bürger über soziale Veränderungen und Bauvorhaben, die ihnen von den Behörden ohne ausreichende Mitsprache aufgezwungen werden. Sie vermuten, dass die undurchsichtigen Entscheidungen der Politiker nur einem kleinen Kreis nützen.“

LN

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