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Kommentar Mit erhobenem Haupt in die Zweite Liga
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15:01 14.05.2018
Ein Kommentar von Sven Wehde.

Seit 26 Jahren bin ich HSV-Fan. Ich habe mir die Saison über jedes Spiel 90 Minuten lang angeschaut. Ab und an im Stadion, meist aber im Fernsehen. Nach jeder Niederlage, und das waren sehr, sehr viele, habe ich immer wieder zu meiner Hoffnung zurückgefunden. Spätestens zum Anpfiff des nächsten Spiels.

Am Ende hat es nicht gereicht, der HSV steigt zum ersten Mal in die Zweite Bundesliga ab. Und es gibt Hunderttausende Fußballfans in Deutschland, die heute mit einem Lächeln aufgewacht sind, weil sie dem Hamburger SV den Abstieg gegönnt haben.

Nach dem vielen Glück, das der Verein in den vergangenen Jahren hatte, müssen wir HSV-Fans das akzeptieren. Aber der HSV kann erhobenen Hauptes in die Zweite Liga gehen. Weil die Mannschaft eine großartige Aufholjagd gezeigt hat. Weil 57 000 tolle Fans im Stadion am Sonnabend den 50 Böller schmeißenden Chaoten ein deutliches „Wir sind Hamburger und ihr nicht!“ entgegengeschmettert haben. Und weil alle genug Zeit hatten, sich auf den Abstieg einzustellen.

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Ich habe ihn mir sogar schön geredet. Endlich gibt es mal wieder das Derby gegen St. Pauli, vielleicht sogar ein neues gegen Holstein Kiel. Zudem gibt es für HSV-Fans jetzt insgesamt noch mehr Fußball, weil wir jetzt die erste und die zweite Liga verfolgen.

Frühere Anstoßzeiten? Super, dann können wir jetzt unser Spieltags-Bierchen schon um 13.30 Uhr öffnen. Da sitzen die Bremer dann noch an Schwiegermutters Mittagstisch bei Kartoffeln, Erbsen und Wurzeln. Und auch wenn die Zweite Liga eine hohe Qualität hat: Es dürfte endlich wieder mehr Siege und Tore zu feiern geben. Das werden wir genießen.

Und der Verein? Die vergangenen Jahre hieß es, der Abstieg wäre eine Katastrophe, weil er dem Verein das letzte nimmt, was er noch hat: den Dino-Status als ewiger Verein in der ersten Bundesliga. Denn Titel holen sie ja schon lange nicht mehr.

Vor allem aber ist da das Risiko, nicht schnell wieder aufzusteigen und am Ende ein ähnliches Schicksal wie der traditionsreiche 1. FC Kaiserslautern zu erfahren. Die Lauterer steigen in die dritte Liga ab. Aber in dem Abstieg steckt auch eine Chance.

Und damit ist nicht der komplette Neuaufbau der Mannschaft gemeint. Im Gegenteil: Es wäre schön, wenn es endlich wieder mehr Spieler gäbe, die ihren Verein nicht wie ein Unterhemd wechseln, wenn es irgendwo anders mehr Geld gibt. Gefragt sind Profis, die die Raute im Herzen tragen und freiwillig für weniger Geld helfen, in der Zweiten Liga den Karren aus dem Dreck zu ziehen.

Die Chance ist eher eine psychologische. Erstmals seit vielen Jahren definiert sich der Verein nicht mehr über etwas, das er schon hat. Es geht nicht mehr darum, etwas Altes mit letzter Kraft zu verteidigen, sondern darum Neues zu gewinnen. Allen voran die Zweitliga-Meisterschaft.

Auf geht’s!

Ein Kommentar von Sven Wehde

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