Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kommentar LN PERSÖNLICH
Mehr Meinung Kommentar LN PERSÖNLICH
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:22 04.10.2014
Jens Spahn (34) , ein junger Hoffnungsträger in der CDU.

Könnten altgediente Politik-Beobachter übers politische Spitzenpersonal entscheiden, dann wäre Jens Spahn seit Anfang des Jahres Bundesgesundheitsminister. Die Wetten standen gut für den 1,90-Mann aus dem Münsterland. Am Ende ist er dann doch das geblieben, was er vor der Bundestagswahl war: gesundheitspolitischer Sprecher der Unions-Fraktion. Nun kann man nicht behaupten, dass dies ein Amt ohne Macht und Einfluss ist. Aber der 34-Jährige gehört nicht zu jenen, die auf Dauer mit der zweiten Reihe zufrieden sind. Letzte Zweifel hat er nun ausgeräumt: Auf dem Parteitag Anfang Dezember kandiert er fürs CDU-Präsidium.

Für die Partei von Angela Merkel ist dies eine kleine Revolution. Erstmals seit Jahren gibt es wieder mehr Bewerber als Plätze; acht Kandidaten konkurrieren um sieben Posten. Besonders pikant: Für den Präsidiumsplatz, der durch den Rückzug des früheren JU-Chefs Philipp Mißfelder frei wird, tritt neben Spahn voraussichtlich Gesundheitsminister Hermann Gröhe an. Spahn hat die Unterstützung der Jungen Union und der Mittelstandsvereinigung der Partei; die NRW-CDU setzt auf Gröhe und will ihn in Kürze nominieren.

Spahn hält sich für die bessere Wahl. In diesen Tagen erinnert er gern daran, dass in den Spitzengremien der Partei die Unter-40-Jährigen „nicht überrepräsentiert“ sind. Nach der Banklehre hat er Politikwissenschaft studiert; mit 21 Jahren bewarb er sich erstmals um ein Bundestagsmandat. Aus seiner Homosexualität macht er kein Geheimnis.

Seit Längerem versucht er sein Profil als Vorkämpfer der jungen Generation zu schärfen. Er schimpft über die Rentenreform, setzt einen Vorsorgefonds in der Pflegeversicherung durch und gerät nicht ins Zweifeln, wenn Experten bei einer Anhörung in dieser Woche diese neue Rücklage als unsinnig abkanzeln. Bislang habe ihm niemand eine Alternative genannt, wie man die Jungen vor drastischen Beitragssteigerungen in späteren Jahren schützen kann, sagt er.

Spahn weiß, was er will und verfolgt seine Ziele konsequent. Es gibt keine gesundheitspolitische Meldung, die er nicht kommentiert. Manchmal geht es auch darum, seinen Zorn zu dämpfen und Dampf abzulassen. In seinem „Spahn-Blog“ kritisierte er in dieser Woche die sture Haltung der Krankenkassen in den Preisverhandlungen mit der Pharmaindustrie. Während die SPD die gesetzlichen Vorgaben für die Unternehmen verschärfen will, wirbt Spahn für einen moderaten Kurs.

Aber in der Regel versteht man sich. Er sei selbst überrascht, wie gut er mit seinem SPD-Kollegen Karl Lauterbach zusammenarbeite, sagt er. Sollte sein Aufstieg klappen, wird Spahn sich nicht nur beim Thema Gesundheit zu Wort melden. Er übt bereits und verspricht „klare Kante“. Nötig sei es allemal. Gabi Stief

LN

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!