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Leute, Platt ist wichtig!

Leute, Platt ist wichtig!

Das ist für mich morgens das Schönste: Wenn mein Schwiegervater Klaus in die Küche kommt und mit meinen Kindern klönt. „Moin!

Das ist für mich morgens das Schönste: Wenn mein Schwiegervater Klaus in die Küche kommt und mit meinen Kindern klönt. „Moin! Wie geht’s? Habt ihr schon ausgeschlafen?“ Opa Klaus schnackt oft Platt mit den Kleinen. Und sie verstehen ihn, obwohl sie gerade erst anfangen, Hochdeutsch zu sprechen. Eine Sprache lernt man am besten beim Sprechen. Dafür muss es aber Leute geben, die das noch können.

Eine tote Sprache lernen, das kennt jeder, der sich mal in Latein durch den Gallischen Krieg gekämpft hat. Ganz schön zäh! Wir sollten aufpassen, dass uns das nicht mit dem Plattdeutschen passiert!

Ja, ich weiß: Für junge Leute ist es viel wichtiger Englisch, Spanisch, Chinesisch zu lernen. Aber eine regionale Sprache kann Lust auf andere Sprachen machen. Und mit Platt lernt man etwas über Geschichte aus dem Norden – und über seine eigene Identität. Wie bitte? Das ist nicht wichtig in unserer globalisierten, digitalisierten Welt? Ich meine, es war noch nie wichtiger! Wie soll man denn für andere Kulturen Respekt haben, wenn man die eigene nicht pflegt? Und: Wer Tag und Nacht mit seinem Handy um die Welt surft, der sollte aufpassen, dass er nicht verloren geht zwischen Rio, Tokio und anderswo. Dafür hilft es zu wissen, wo man herkommt. Die Sprache spielt da eine große Rolle. Deshalb ist Platt-Förderung richtig. Welche Organisation das macht, ist mir fast egal. Hauptsache, sie kümmert sich nicht nur um Bücher, sondern um die Kinder. Plattdeutsche Wettbewerbe, Theater, Hilfe für Schulen: Etwas sollte uns das wert sein. Und so groß müssen die Ziele nicht sein. Ich wäre froh, wenn meine Kinder als Erwachsene Platt verstehen. Wenn sie sich zu Weihnachten mal ein Gedicht merken, zum Beispiel „Kiek ins, wat is de Heben so rot! Dat sünd de Engels, de backt dat Brot...!“ Wenn ich das höre, bin ich selbst wieder ein Kind – und fühle mich zuhause. Genau das wünsche ich meinen Kindern: Dass sie in 50 Jahren noch manchmal Platt hören oder lesen. Und dass sie dann an ihren Opa Klaus denken und sich zuhause fühlen, auch zwischen Rio, Tokio und anderswo. Es tut so gut, zu wissen wo man herkommt.

LN

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