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Kommentar Pflegefall Pflege
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23:21 27.06.2013
Von Jens Burmeister

Gleichzeitig fehlen immer mehr Fachkräfte. Schon 2025 könnte es an 150 000 Pflege-Profis mangeln. Billige Arbeitskräfte aus dem Ausland werden die Lücke nicht füllen. So viel ist sicher.

Die Experten aber können nur warnen. Handeln muss die Politik. Doch der — egal, ob gerade Rot-Grün, Schwarz-Rot oder Schwarz-Gelb regierte — fehlte der Mut, den Menschen die ganze Wahrheit zu sagen:

Die Pflege wird teurer werden, viel teurer. Ja, sie muss es sogar. Wenn die Pflegeversicherung nicht unter dem Druck der wachsenden Zahl Älterer und Bedürftiger zusammenbrechen soll, ist mehr Geld zur Finanzierung zwingend notwendig. Zudem müssen die Ausbildung aufgewertet und die Löhne erhöht werden. Denn wenn Menschen, die Autos zusammenschrauben, wesentlich mehr verdienen als jene, die ihre Mitbürger pflegen, und wenn Pflege wie am Fließband im Minutentakt abgerechnet wird — dann stimmt etwas nicht. So war es ein Fehler der Politik, die Alten- und Krankenpflege im Zuge der Liberalisierung des Arbeitsmarktes vor allem dem Leiharbeits-Sektor zu überlassen. Kein Wunder, wenn bei vielen jungen Leuten der Pflegeberuf heute als „Hintern- Abwischer“ oder „Urin-Kellner“

geringgeschätzt wird, was er wahrlich nicht verdient. Denn es ist doch das Mitgefühl, was uns Menschen erst menschlich macht.

Ja, wir werden mehr für Pflege zahlen müssen. Über Höhe und Art der Finanzierung wird zu debattieren sein. Die Bankenkrise hat jedenfalls offenbart, dass umlagefinanzierte Modelle krisenresistenter sind als kapitalgedeckte. Die Pflegefinanzierung sollte kein Spekulationsobjekt sein. Und wir werden die Pflege hoffentlich bald so sehen, wie einst Florence Nightingale, die „Mutter der modernen Krankenpflege“: „Sie ist eine Kunst und fordert, wenn sie Kunst werden soll, eine ebenso große Hingabe, eine ebenso große Vorbereitung, wie das Werk eines Malers oder Bildhauers.“ Bericht

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LN

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