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Kommentar Reden ist Gold
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23:21 21.06.2013
Von Olaf Bartsch

Anders als bei US-Präsident Barack Obama, den Merkel diese Woche mit einer Duz-Offensive umgarnte, ist in der Beziehung zu Putin wohl endgültig die Eiszeit ausgebrochen.

Das Ringen um die Beutekunst des Zweiten Weltkrieges dauert seit Jahren an. Deutschland sieht das Völkerrecht auf seiner Seite, wenn es um die Rückgabe von einer Million Kunstwerken geht, die derzeit in russischen Archiven lagern. Russland hält dagegen, dass die Schätze mit dem Blut seiner Soldaten bezahlt worden seien. Sieben Jahrzehnte nach Kriegsende mutet eine solche Argumentation befremdlich an. Dennoch wurde gestern nach langer Vorbereitung in St. Petersburg eine hochkarätige Ausstellung eröffnet. Gezeigt werden etwa ein lange als verschollen geglaubter Goldschatz aus der Bronzezeit und Troja-Funde von Schliemann. Die Zusammenarbeit der Wissenschaftler beider Länder gilt als deutsch-russisches Prestigeobjekt, das nun Schrammen bekommen hat.

Die Unstimmigkeiten um Merkels Auftritt sind symptomatisch für die Situation der Beziehungen beider Länder. Anders als einst Schröder himmelt Merkel den einstigen KGB-Mann nicht an. Nicht nur in Wahlkampfzeiten weiß sie, dass in Putins gelenkter Demokratie Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Das harte Vorgehen gegen Minderheiten und Verschärfungen im Demonstrationsrecht haben mit einer lupenreinen Demokratie eben nichts zu tun. Und während die Welt um eine Befriedung Syriens kämpft, stellt sich Putin demonstrativ an die Seite Assads.

Nun hat die Kanzlerin Putin kräftig die Show gestohlen. Der Patriarch im Kreml braucht die deutsche Wirtschaft dringend für eine Moderniserung seines Riesenreichs. Genauso wie Deutschland auf Öl und Gas aus dem Osten angewiesen ist. Dass beide am Ende doch noch gemeinsam die Ausstellung eröffneten, ist ein Punktsieg für Merkel.

LN

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