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Verbot? Kommt nicht in die Tüte

Plastikbeutel-Regelung ist bei EU-Staaten gut aufgehoben. Verbot? Kommt nicht in die Tüte

Im Mittelmeer treiben sie als „Plastikquallen“ umher, besonders in den süd- und osteuropäischen Ländern hängen sie an Wegesrändern in Büschen und Bäumen, die kleinen, dünnen Plastik-Einkaufsbeutel.

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Von Rüdiger Wenzel

Im Mittelmeer treiben sie als „Plastikquallen“ umher, besonders in den süd- und osteuropäischen Ländern hängen sie an Wegesrändern in Büschen und Bäumen, die kleinen, dünnen Plastik-Einkaufsbeutel.

In Deutschland sind schon Storchenjunge jämmerlich erfroren, weil sie in ihren mit Plastiktüten ausgefütterten Nestern im Wasser liegen mussten. EU-Umweltkommissar Janez Potocnik hat also gute Gründe, die Flut der Plastikeinkaufstüten einzudämmen.

Appelle an das Umweltbewusstsein reichen offensichtlich nicht aus. Die Bequemlichkeit siegt allzu oft. Auch der kommerzielle Aspekt ist nicht zu vergessen: In vielen Kaufhäusern wird die Ware an der Kasse automatisch in eine Plastiktüte mit großem Firmennamen gestopft — auf dass der Kunde damit gratis Reklame laufe. Und weil die dünnen Tüten kaum wiederverwendbar sind, landen sie im Müll — oder anderswo.

Bemerkenswert am Vorstoß des Umweltkommissars ist, dass er jetzt kein EU-weites Verbot für Plastiktüten fordert. Sondern umgekehrt: Er will das generelle Verbot nationaler Tüten-Verbote aufheben. Er will die Brüsseler Regelungswut zurückschrauben, um zum Ziel zu kommen.

Potocniks liegt mit seinem Vorschlag in mehrfacher Hinsicht richtig. Die Entscheidung, ob Kunststoffeinkaufstüten verboten werden sollen, ist bei den nationalen Regierungen und Parlamenten viel besser aufgehoben als in der Brüsseler Zentrale. Wo Plastiktüten ohnehin wenig genutzt und beliebt sind, wo die Verbraucher ihre Einkäufe lieber im Rucksack oder Leinenbeutel verstauen, da muss man sie nicht verbieten. Gleiches gilt für Länder wie Deutschland, wo die dünnen Plastiktüten kein wirklich drückendes Umweltproblem sind, weil sie überwiegend im Gelben Sack landen und wiederverwertet oder für Strom und Wärme verheizt werden.

Trotzdem sind Wegwerf-Plastiktüten Rohstoffverschleuderung und ein Restrisiko für Natur und Umwelt. Um etwas dagegen zu tun, passt aber eine Gebühr viel besser in unser freies marktwirtschaftliches System als ein Verbot. Beweis: In die Lebensmittel-Discounter, wo die Plastiktüten bereits Geld kosten, bringen die Kunden immer häufiger Taschen, Körbe oder gebrauchte Tüten mit.

Berichte Seiten 1 und 6

LN

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