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Kommentar Wenn Blendwerk erleuchtet
Mehr Meinung Kommentar Wenn Blendwerk erleuchtet
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22:31 21.10.2013
Von Jens Burmeister

Dass auch Blendwerk Erleuchtung sein kann, hat die Kostenexplosion für den luxuriösen Limburger Bischofssitz offenbart. Statt ursprünglich 2,5 könnten es 40 Millionen Euro werden. Gottes Werk oder Teufels Bauwerk? Für entsetzte Katholiken im Bistum Limburg scheint das keine Frage mehr zu sein.

Und doch sollten wir dem bischöflichen Bauherrn Tebartz-van Elst dankbar sein. Dankbar dafür, dass er die Kirche mal nicht im Dorf ließ, heimlich Wein statt Wasser trank und damit die öffentliche Aufmerksamkeit auf ein undurchsichtiges Finanzgebaren lenkte, von dem der Klerus lange mit Schall und Weihrauch ablenkte. In einer Zeit, in der alle Welt Sparen und Transparenz predigt, die Kirchen Pfarrstellen, Jugend- und Sozialzentren abschaffen, Billigtarife akzeptieren und selbst der Papst die Armut als Tugend entdeckt, werden auch die Würdenträger in der deutschen Provinz umdenken und sich der kritischen Diskussion stellen müssen.

Dass die Kirchensteuer nur einen kleinen Teil der Gemeindearbeit finanziert, dass Bischöfe vom Fiskus und damit auch von Heiden zumindest kofinanziert werden, dass die Kirchen von Körperschafts-, Kapitalertrags- und Grundsteuer sowie von staatlicher Kontrolle befreit und dass die Ausgaben für ihre Schulen, Kitas und Heime vor allem Kosten der Allgemeinheit sind, ist ja durchaus bekannt. Doch wer geglaubt hat, das ist so, weil die Kirchen hierzulande arm seien wie eine Kirchenmaus, der irrt. Es gibt Bistümer, die zählen zu den reichsten der Welt. Allein in Limburg sollen über die Jahre mindestens 300 Millionen Euro in „grauen Kassen“ angesammelt worden sein. Oft wissen nur der Bischof und engste Vertraute um den wahren Reichtum, der sich aus Land- und Waldbesitz, kirchlichen Banken oder Beteiligungen speist.

Wenn es den Kirchen gelingt, mehr Geld aus diesen Quellen für ihre so wichtige Sozialarbeit transparent umzulenken und sich von überkommenen staatlichen Transfers zu verabschieden, dann hätte die Affäre um Tebartz-van Elst einen gerechten Abschluss. Aber wie sagte schon der erste Literatur-Nobelpreisträger, der Franzose Sully Prudhomme? „Barmherzigkeit ist leichter zu üben als Gerechtigkeit.“

Bericht Seite 4

LN

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