Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Zeit für eine Friedenspfeife

Richter billigt Rauchverbot in Privatwohnung. Zeit für eine Friedenspfeife

Bekanntlich gibt es einen guten Rat für Raucher: Rauche nie im Bett! Die Asche, die auf den Boden fällt, könnte Deine sein.

Doch mit den Ratschlägen für die Privatsphäre könnte es bald vorbei sein.

Voriger Artikel
Blick ins Schlagloch
Nächster Artikel
Ein Sommertraum

Von Jens Burmeister*

Bekanntlich gibt es einen guten Rat für Raucher: Rauche nie im Bett! Die Asche, die auf den Boden fällt, könnte Deine sein.

Doch mit den Ratschlägen für die Privatsphäre könnte es bald vorbei sein. Ein Düsseldorfer Richter hat jetzt ein Urteil gesprochen, nach dem ein 74-Jähriger es hinnehmen muss, dass sein 40(!)

Jahre altes Mietverhälnis aufgekündigt wird — und zwar wegen „nicht hinnehmbarer Geruchsbelästigung“.

Ja, es ist wahr: Tabakqualm riecht. Raucher blasen ihre Gesundheit quasi selbst in die Luft. Und das Passivrauchen ist eine Gefahr für das Wohlergehen von Nichtrauchern. Damit verstehen sich Rauchverbote in Schulen, Behörden, Kliniken oder Speiserestaurants von selbst.

Doch wenn der Staat nun auch noch die eigenen vier Wände seiner Bürger zu qualmfreien Zonen erklärt, geht er zu weit. Eine außergerichtliche Schlichtung hätte es vielleicht auch getan. Jetzt aber sollte das Düsseldorfer Urteil ein Signal sein, dass der missionarisch anmutende Eifer der Anti-Raucher-Bewegung Grenzen hat — nämlich dort, wo sie in persönliche Freiheiten, in Nutzungs- und Eigentumsrechte zu stark eingreift und den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verletzt. Es ist zwar anzuerkennen, dass überzeugte Anti-Raucher meist in der festen Überzeugung handeln, Gutes zu tun.

Doch wenn dieser Glaubenssatz zum wohlmeinenden Fanatismus mutiert und der Zweck nach jesuitischer Manier nahezu alle Mittel heiligt, ernten wir einen Neo-Puritanismus, der vom Laissez-faire-Motto „Leben und leben lassen“ nicht viel übrig lässt. Am Ende wird vielleicht eine derart lust- und leibfeindliche Gesellschaft stehen, in der ein hochglanz-werbender Körperkult, ein probiotisches Schlankheitsritual, wöchentlich verordnetes Massen-Walking und ein kassenüberwachtes Nichtraucher-Programm für alle Teenager angesagt sind.

Dabei ist Rauchen ein Stück europäischer Kultur. Es fördert die Gemeinschaft in Zeiten der Individualisierung und markiert Muße in einer Ära latenter Hektik. Auch wenn der Zeitgeist kein Raucher, sondern Nichtraucher ist: Es wird Zeit für eine „Friedenspfeife“. Bericht Seite 4

*Der Autor ist Nichtraucher

LN

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kommentar
Sonntagsreden

Von Börse bis Fußballplatz - Blogs unserer "Edelfedern".

Kommentar

Bissig, polemisch, kontrovers: Kommentare aus den LN.

Der HSV gewinnt sein wichtiges Heimspiel gegen den SC Freiburg mit 1:0. Schaffen die Hamburger noch den Klassenerhalt?

Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. Klicken Sie hier, um die Galerie für den April 2018 zu sehen!