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Das große Korallensterben am Great Barrier Reef

Townsville Das große Korallensterben am Great Barrier Reef

Vorübergehende Temperaturschübe im Meer gab es schon immer. Noch nie waren die Folgen aber so gravierend wie jetzt. Am Great Barrier Reef herrscht Alarm. Überlebt das Riff dieses Jahrhundert womöglich nicht?

Townsville. Meeresbiologe Terry Hughes musste sich beeilen, um die sterbenden Korallenriffe überhaupt noch sehen zu können: wenn die letzten lebenserhaltenden Algen aus dem Skelett verschwunden sind, wuchert schnell alles mit braunen Algen und Seetang zu.

Hughes dokumentiert gerade die beispiellose Korallenbleiche am größten Korallenriff der Welt, dem Great Barrier Reef in Australien.

„Vor dem Überwuchern sind die am schlimmsten betroffenen Riffe schneeweiß und aus der Luft gut zu sehen“, sagt der Forscher der James Cook-Universität der Deutschen Presse-Agentur. „80 Prozent der Riffe nördlich von Port Douglas fallen in diese Kategorie.“ Das Absterben und Überwuchern passiert innerhalb weniger Wochen. „Wir rechnen mit hoher Mortalität. Wir sehen jetzt mehr als 100 Jahre alte Korallen absterben.“

Das Wetterphänomen El Niño, das in diesem Jahr das Wasser aufheizte, sei seit der letzten Eiszeit 2000 Mal aufgetreten, sagt Hughes. „Aber El Niño löst erst Korallenbleichen aus, seit der Klimawandel die Wassertemperatur in die Gefahrenzone getrieben hat“, sagt er. Das passierte am Great Barrier Reef erstmals 1998, dann wieder 2002. Das Ausmaß der Schäden sei aber dieses Mal deutlich höher.

Ausgerechnet ein Zyklon, der Ende Februar verheerende Verwüstung auf den Fidschi-Inseln anrichtete, hat den mittleren Teil des Great Barrier Reef womöglich vom Schlimmsten verschont. Das, was von Zyklon „Winston“ übrig geblieben war, brachte dunkle Wolken und sorgte für Abkühlung der Meerestemperaturen.

Wenn das Wasser zu warm wird, geben die Algen, die die Korallen eigentlich mit Nährstoffen versorgen, Gifte ab. Die Korallen, Nesseltiere, stoßen sie dann ab. Sie verlieren ihre Farbe und sterben. „Wenn noch ein paar Algen im Innern überleben, können sie sich vielleicht generieren“, sagt Korallenexpertin Tracy Aimsworth. „Wir haben gerade Korallenproben im Labor und untersuchen, an welchen Riffen noch Hoffnung besteht.“

Das Great Barrier Reef gehört zur Marineparkbehörde GBRMPA. David Wachenfeld ist da für die Wiederherstellung der Riffe zuständig. „Die Korallen haben 400 Millionen Jahre Veränderungen auf dem Planeten überlebt, aber wenn jetzt nicht weltweit deutlich mehr gegen den Klimawandel getan wird, haben wir im Jahr 2100 höchstens noch hier und da ein paar Korallen, aber keine Riffe mehr“, sagt er.

Das Great Barrier Reef trägt in Australien vor allem als Touristenattraktion gut vier Milliarden Euro zur Wirtschaft bei. 70 000 Arbeitsplätze hängen davon ab. Aber Korallenriffe sind auch die Kinderstube zahlreicher Fischarten. Wenn sich die kleinen Fische nicht mehr vor Raubfischen in den Korallen verstecken können, sacken die Bestände dramatisch ab.

Vorübergehende Anstiege der Wassertemperatur hat es immer gegeben. Danach konnten sich die Korallen aber immer wieder erholen. Der Klimawandel heizt das Wasser aber permanent auf. Bei dem Hitzestress verlieren Riffe ihre Widerstandsfähigkeit. Zudem setzen ihnen die Schifffahrt, der Hafenbau und Wasser aus Agrarflächen, das mit Dünger und Insektenschutzmitteln verschmutzt ist, zu. Die gefräßigen Dornenkronen-Seesterne, die ganze Riffe abfressen, breiten sich immer stärker aus. Die UN-Kulturorganisation Unesco drohte schon, den Status als Weltnaturerbe abzuerkennen.

Es werde aber viel getan, versichert Wachenfeld, zur Verbesserung der Wasserqualität und im Kampf gegen die Dornenkronen. „Wir müssen mehr Agrarflächen wieder der Natur zurückgeben“, sagt er. Die Behörden arbeiteten an Kompensationsplänen für Bauern. Im Nordteil des Great Barrier Reef seien jetzt 21 von gut 400 Riffen als besonders schutzwürdig identifiziert worden, unter anderem, weil sie eine große Korallenvielfalt aufweisen und weil sie geografisch so liegen, dass sie andere Riffe durch die Strömung mit Korallenlaich versorgen können. Auf sie konzentrieren sich jetzt die Schutzmaßnahmen.

Hughes warnt, dass besonders die dreidimensionalen Steinkorallen der Gattung Acropora, die wie Bäume wachsen und Fischen als Verstecke dienen, anfällig sind. Selbst, wenn Riffe sich erholen, sei die Korallenvielfalt beeinträchtigt: „Die Riffe werden flacher.“

Die Forscher sind höchst besorgt, aber bleiben zuversichtlich. „Kann ich garantieren, dass wir das Riff retten können? Nein“, sagt Wachenfeld. „Aber es besteht auf jeden Fall Hoffnung.“ So äußert sich auch Hughes. „Es ist noch Zeit, die Korallenriffe zu schützen, aber die Zeit läuft ziemlich schnell ab.“ In vielleicht 20 Jahren könne es zu spät sein. „Der Klimawandel ist die größte Bedrohung. Den zu stoppen braucht weltweite Anstrengungen.“

dpa

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