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Deutsche Liebeskomödie im Gottesstaat Iran

«Grüß Gott Persien» Deutsche Liebeskomödie im Gottesstaat Iran

Deutsche Liebeskomödie im Mullahland Iran? Geht nicht. Geht doch. Die Dreharbeiten zu dem Fernsehfilm „Grüß Gott Persien“ sind ein Beweis.

Der Regisseur Florian Baxmeyer und die Schauspielerin Mona Pirzad (Shirin) beim Dreh im Iran.

Quelle: Farshid-Motahari Bina

Iran. Kaschan,Der Iran war nach der islamischen Revolution vor 38 Jahren alles andere als ein geeigneter Drehort für ausländische Spielfilme. Besonders Liebesschnulzen sind in dem islamischen Land tabu.

In iranischen Filmen dürfen wegen der strengen Vorschriften weibliche und männliche Darsteller sich nicht mal anfassen, geschweige denn küssen oder gar Sex haben. Aber ausgerechnet im Mullahland wagt die ARD-Filmtochter Degeto die Produktion einer Liebeskomödie. Trotz einiger Hindernisse liefen im September in Teheran und der Kulturstadt Kaschan die Dreharbeiten für den Fernsehfilm „Grüß Gott Persien“.

Der Film handelt von dem bankrotten Achim (Günther Maria Halmer), der in den Iran fliegt, um alte Schulden einzutreiben. Der besorgte Sohn Robert (Felix Klare) fliegt ihm nach. Um ihn dort zu finden, braucht er jedoch eine Dolmetscherin und Wegbegleiterin. Wegen der strengen islamischen Sitten muss er jedoch mit der Deutschlehrerin Shirin (Mona Pirzad) eine Zeit-Ehe eingehen. Am Ende stellt sich heraus, dass der Vater nicht nur altem Geld, sondern auch alten Gefühlen nachläuft.

Die Story klingt zwar nicht so neu, der Iran als Drehort ist es aber schon. Seit Jahrzehnten gilt das vom Klerus kontrollierte Land im Westen als „Schurkenstaat“ und „Achse des Bösen“. Das Image verbesserte sich aber leicht nach der Präsidentschaft des als moderat geltenden Klerikers Hassan Ruhani und besonders nach dem von ihm initiierten Wiener Atomabkommen von 2015 mit den Weltmächten.

Im kulturellen Bereich hat sich aber auch mit Ruhani nicht viel verändert. Besonders Filmprojekte brauchen weiterhin eine Genehmigung vom Kultusministerium. Für die hiesigen Filmemacher und Drehbuchautoren ist der meistens sehr langwierige Prozess mit den kulturellen Überwachungsgremien stets ein Alptraum. Aber überraschenderweise erhielt „Grüß Gott Persien“ relativ schnell eine Dreherlaubnis.

Dafür sorgte Madschid Barsegar, neben Ivo-Alexander Beck der zweite und quasi iranische Produzent des Films. Er kennt sich mit den bürokratischen Hindernissen der hiesigen Behörden bestens aus. Barsegar hat auch den iranischen Teil der Crew zusammengestellt. Neben den sieben Deutschen im Team sind die anderen 70 Crew-Mitglieder alle Perser.

Barsegar hofft auch, dass der Film neben Unterhaltung auch einige Vorurteile in Deutschland gegenüber dem Iran ausräumen kann. Das schließt auch der vom Iran und den Persern positiv überraschte Regisseur Florian Baxmeyer nicht aus. „Der Film wird ein bisschen dazu beitragen, dass man (im Iran) weniger die Politik sieht und mehr die Menschen, die hier leben“, sagte Baxmeyer weähtrend der Dreharbeiten.

Begeistert zeigten sich auch die Hauptdarsteller. „Der Iran war mit ein ganz wichtiger Grund und Anreiz, diesen Film anzunehmen,“ sagte Halmer. Auch für die Deutsch-Iranerin Mona Pirzad war ihre Rückkehr in die alte Heimat nach mehr als 30 Jahren ein überraschend schönes Erlebnis. Beide glauben, dass der Film gewisse Vorurteile gegenüber dem Iran abbauen könnte. Auch ein weiteres Filmprojekt im Iran könnten sich die zwei durchaus vorstellen. Trotz der Begeisterung für Land und Leute gab es bei den Dreharbeiten auch einige Misstöne.

Auch die deutsch-iranische Zusammenarbeit am Set - für beide ein Novum - war auch nicht immer harmonisch. Der einen Seite war einiges zu iranisch, der anderen zu deutsch. Unverständnis herrschte auf deutscher Seite besonders bei plötzlich ausgesprochenen Verboten für einige geplante Drehorte. Für die Iraner aber war dies völlig normal. „Wenn man aus so einem freien Land wie Deutschland kommt, ist es natürlich schon sehr krass zu merken, dass gewisse Dinge einfach nicht gehen“, so Regisseur Baxmeyer. Laut Barsegar sei dies jedoch kein Grund zur Aufregung. „Wir sind ja nicht in Deutschland und haben hier nun mal Vorschriften, die auch unsere deutschen Kollegen tolerieren müssen“, so der Koproduzent.

Beide Seiten jedoch hoffen, dass „Grüß Gott Persien“ nicht das letzte gemeinsame Filmprojekt bleiben wird. Angeblich sind zwei weitere Drehbücher mit Iran als Drehort im Gespräch. Zunächst wollen aber alle abwarten, wie der Film nächstes Jahr in Deutschland bei den Zuschauern ankommt.

dpa

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